Über mich

Mein Name ist Albrecht Metzger, ich bin Islamwissenschaftler und Kriminologe. Hier ist meine Vita, in lockerem Stil erzählt.

Eine kurze Anmerkung, bevor es losgeht: Ursprünglich war der Blog anders konzipiert, ich wollte systematisch das analysieren, was ich „Tiefenstrukturen der Macht“ nenne.

Hier meine Definition, die ich beim Start des Blogs im April 2020 aufgeschrieben hatte:

„Mit Tiefenstrukturen der Macht sind politische Kräfte gemeint, die nicht gewählt sind und die sich dem Einfluss des Souveräns weitgehend entziehen.

Sie legen keinen Wert auf öffentliche Anerkennung oder Legitimation, ihnen geht es darum, Politik im Hintergrund zu gestalten.

Vertreter tiefenstruktureller Macht verfolgen nicht selten eine langfristige Strategie, wenn nicht Mission. Sie können national organisiert sein oder auch international, was deren Kontrolle weiter erschwert.“

Dazu hatte ich bereits diverse Kategorien erstellt, die ich einzeln abarbeiten wollte.

Von diesem recht aufwändigen Projekt habe ich erstmal Abstand genommen. Gerade schreibe ich ein Buch mit dem Titel Black Operation ISIS fertig, deswegen habe ich den Blog entsprechend umbenannt.

Es wird bis etwa Juni 2021 dauern, danach sehe ich weiter.

Die Vita habe ich so gelassen, wie ich sie im April 2020 geschrieben habe, es finden sich also immer wieder Bezüge zu „Tiefenstrukturen der Macht“.

Die restlichen Artikel auf meinem Blog habe ich fast alle runtergenommen, aus verschiedenen Gründen. Unter anderem ist mir der Stil, den ich in Jahren des Schreibens bei Facebook entwickelt habe, mittlerweile zu flapsig.

Falls ich hier künftig weiterschreiben sollte, werde ich es nüchterner machen.

22. März 2021

Mein (Berufs)Leben

Geboren wurde ich am 2. August 1966 in Hamburg, was auf den ersten Blick nichts mit Tiefenstrukturen der Macht zu tun hat; auf den zweiten allerdings schon, wenn man sich anschaut, was am 2. August zwischen 1964 und 1990 alles so passiert ist.

Newborn and innocent.

Meine Gedanken dazu werde ich in dem Themenbereich unter der Überschrift Hoffnung und Irrsinn ausbreiten.

Im Jahre 1973 übernahm mein Vater den Lehrstuhl für Altes Testament und Palästinakunde in Kiel, vorher war er an der Universität Hamburg tätig.

Seine Passion galt der Biblischen Archäologie, zwischen 1960 und 1980 fuhr er fast jedes Jahr zu Ausgrabungen, zuerst in die Türkei, vor allem aber in den Libanon.

Am Abend schrieb er Briefe oder besprach Tonbänder und schickte sie in die Heimat.

Das hatte etwas Geheimnisvolles. Der Libanon blieb lange meine Sehnsucht, erst 1995 besuchte ich das Land zum ersten Mal, mit meinem Vater als Reiseführer.

Er war kein Rotarier oder Mitglied im Lions Club (schon gar kein Freimaurer), durch seine Vortragstätigkeit gab es aber Berührungspunkte. So verschaffte er mir im Sommer 1983 – angespornt von meiner Mutter, wie ich vermute – einen Platz als Rotary Exchangestudent in Kanada.

Der Ort meines Unglücks hieß Flin-Flon und lag in der Provinz Manitoba, bis zum nächsten Städtchen der gleichen Größe (10.000 Einwohner) waren es hundert Meilen, bis zum Nordpol nicht viel weiter (gefühlt jedenfalls).

Details spare ich mir für spätere Beiträge auf. Immerhin lernte ich in diesem Jahr fließend Englisch lesen und sprechen.

Flin-Flon und der Rotary Club waren meine ersten transatlantischen Erfahrungen, auf dem Rückweg besuchte ich New York City, eine grandiose Stadt.

Sexy Eva Herrman

Von 1986 bis 1994 studierte ich Islamwissenschaft, Geschichte und Politikwissenschaft an verschiedenen Orten. Hervorzuheben ist das einjährige Sprachstudium in Damaskus (1988/89) sowie ein sechsmonatiger Auftenthalt in Istanbul (1992).

Erste Berührungspunkte mit großen Medien hatte ich im Frühjahr 1991, als ich bei ARD-Aktuell in Hamburg als so genannter Grafik-Assi einstieg, ein herrlicher Studentenjob, über den ich im Themenkopmplex Via mea ein bisschen erzählen werde.

Ich habe noch die alten Größen von tagesschau und tagesthemen erlebt: Werner Veigel, Wilhelm Wieben, Jo Brauner, Dagmar Berghoff, Hans-Joachim Friedrichs, Sabine Christiansen, Ulli Wickert.

Und dann natürlich die junge Eva Herrman, die alle sexy fanden. Die Grafik-Redaktion hatte ein Standbild von ihr im Studio hängen, wo sie ein Kleid trug (ohne Unterhemd), an dem ein Knopf in der Bauchnabelgegend versehentlich offen stand.

Im Winter 1991 veröffentlichte ich meinen ersten Artikel, gleich eine ganz Seite. Abnehmer war die Wochenzeitung die andere, ein Überbleibsel aus der DDR-Bürgerbewegung. Angefragt hatte den Beitrag über den Jemen Thomas Ruttig, den ich bei einer Tagung kennengelernt hatte.

Im Jemen, 1993. Alle Länder des Südens, die ich liebe, werden irgendwann zerstört. Warum?

Ein netter Ossi öffnete mir die Pforte zum Journalismus; ein Gedanke, der mir gefällt.

Die verkürzte Fassung bot ich der Süddeutschen Zeitung an, die prompt anbiss. Ich dachte: Das geht ja einfach. Es war aber wohl Anfängerglück. Nach meiner Erfahrung muss man bei der SZ das Rad neu erfinden, um als freier Autor ins Blatt zu kommen.

Ab 1995 fing ich an, regelmäßig für die Frankfurter Rundschau zu schreiben und gelegentlich für die FAZ.

Von 1995 bis 1996 machte ich eine verlängerte Hospitanz bei der entwicklungspolitischen Zeitschrift der überblick in Hamburg, die leider in dieser Form nicht mehr existiert. Sie wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgegeben und heißt heute Welt-Sichten.

Das Besondere beim überblick war, dass die drei Redakteure den ganzen Tag internationale Fachzeitschriften lasen und früh Themen und Trends erkannten, die in den großen Medien erst später ankamen.

Es war eine gute Schule.

Im Jahr 1997 ging ich nach Beirut, wo ich für 18 Monate verweilte. Ich arbeitete als Wissenschaftlicher Assistent am Orient-Institut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, geleitet von Prof Dr. Angelika Neuwirth, einer faszinierenden Koranforscherin, deren Texte ich selten verstand und trotzdem redigierte.

Gleichzeitig recherchierte ich ein Buch über Islamismus, das auf 70 Interviews beruht, die ich in fünf Ländern machte: Libanon, Jordanien, Palästina, Ägypten, Jemen.

Es erschien im Jahr 2000 im Lamuv Verlag unter dem Titel:

Der Himmel ist für Gott, der Staat für uns. Islamismus zwischen Gewalt und Demokratie.

Die Aufnahmen habe ich noch, ich werde sie mir erneut durchhören und berichten, was mir Islamisten drei Jahre vor dem 11. September 2001 zu erzählen hatten.

Nach dem 11. September verfasste ich für die Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) eine eingedampfte und aktualisierte Version.

Also beschloss ich, kein Transatlantiker zu werden

Nach meiner Rückkehr aus Beirut bekam ich das Arthur F. Burns Fellowship zugesprochen, ein Stipendium der Internationalen Journalistenprogramme (IJP), die 1988 von dem jetzigen Springer-Chef Mathias Döpfner sowie Frank-Dieter Freiling (ZDF) gegründet wurden.

Es geht dabei um die Pflege der transatlantischen Beziehungen: Aufstrebende Journalisten werden über den Teich geschickt, um unseren Retter in der Not und engsten Verbündeten, die Vereinigten Staaten von Amerika, noch enger kennenzulernen. Umgekehrt kommen zehn amerikanische Journalisten rüber und schauen sich Berlin an.

Meine Burns-Homies gratulieren mir 1999 zum Geburtstag. Vor allem die Amis mochte ich.

Wir hatten ein tolles Einführungsprogramm in Washington, beim Empfang in der Deutschen Botschaft schüttelte ich General Alexander Haig die Hand, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der NATO in Europa.

Wie ich viel später erfuhr, war er ein wichtiges Zahnrad in den Tiefenstrukuren der Macht (60er bis 80er Jahre). Ich werde ihn und seine Brotherhoods später porträtieren.

Den Sommer 1999 verbrachte ich bei der Tageszeitung Eugene Register-Guard in Oregon und stürzte mich in Literatur über amerikanische Politik und Geschichte, außerdem schaute ich viel TV.

Danach musste ich feststellen: Die USA sind ein sehr militaristisches Land, das seine Offiziere wie Superhelden feiert, selbst wenn sie nur chancenlose Länder wie den Irak in Schutt und Asche gelegt hatten.

Secret weapons for later projects.

So viel Kriegsbegeisterung war ich als braver Bürger der Bundesrepublik nicht gewohnt und sah keinen Anlass, meine Gewohnheiten zu ändern.

Also beschloss ich, kein Transatlantiker zu werden.

Trotzdem erhielt ich den Arthur F. Burns Preis 1999 des Auswärtigen Amtes für herausragende journalistische Leistungen für eine Reportage über Nazichristen in Idaho, die beim Beten den Hitlergruß machten (der Hund des Kirchengründers hieß „Hans“, wie mir gesagt wurde).

Ich war sehr stolz, obwohl das Dokument von Außenminister Joschka Fischer unterschrieben ist.

Just als das mehrtägige Auswahlverfahren zum Burns-Fellowship stattfand (März 1999), zog Deutschland in den Krieg – zum ersten Mal seit 45. Ausgerechnet gegen Jugolsawien, das im Verhältnis zur Bevölkerung im Zweiten Weltkireg so viele Tote zu bekagen hatte wie kaum ein anderes Land.

Das lag an den serbischen Partisanen, die gut organisiert waren und den Nazis und ihren Kollaborateuren, den Ustascha-Faschisten und muslimisch-kroatischen SS-Dvisionen, das Leben schwer machten. Die schlugen grausam zurück.

Fünfzig Jahre später kam für Deutschland die Chance zur späten Abrechnung, wie mir scheint. Denn das historische Gedächtnis arbeitet weiter, und sei es unbewusst.

Diese und andere Dinge (vor allem das Trauma des jüdischen Volkes) werde ich im Themenkomplex Collective Psychology in the Nuclear Age beschreiben. Er orientiert sich an einem Buch gleichen Namens, das ich mit Faszination gelesen habe.

Joschka Fischer sprach im Mai 99 von einem „Auschwitz“, das verhindert werden müsse, eine unfassbare Verharmlosung des Holocaust.

Irgendwie musste das kriegsunwillige Volk auf Linie gebracht werden und bei Auschwitz verstummen alle.

Der Komplex „Es begann mit einer Lüge“, der auf der Themenliste zu finden ist, zitiert einen gleichnamigen ARD-Film, der die deutsche Jugoslawien-Propaganda von damals auseinandernimmt.

Dort werde ich Medienerzeugnisse diskutieren, die dem Anspruch einer kritischen Berichterstattung meiner Ansicht nach beispielhaft gerecht werden.

Er war ein strenger Koch und Lehrmeister…

Trotz meiner Transatlantik-Allergie blieb ich den Internationalen Journalistenprogrammen (IJP) treu, oder besser gesagt: sie mir.

2000 und 2005 luden die IJP einige Alumni – darunter mich – zu Journalistenreisen nach Georgien und in die Türkei ein, wo wir Eduard Schwerdnadse und Recep Tayyip Erdogan kennenlernten.

Es gibt also keinen Grund zur Undankbarkeit. Im Gegenteil.

Wenn ich es einrichten kann, fahre ich jedes Jahr nach Berlin zum Arthur F. Burns Dinner, das im Atrium der Deutschen Bank Unter den Linden stattfindet. Meistens spricht eine hochrangige Person aus Politik, Wirtschaft oder Medien, letztes Jahr war Annegret Kramp-Karrenbauer da, die eine außenpolitische Grundsatzrede hielt.

Obwohl sie sich eindeutig für die Ostsee-Pipeline Nordstream 2 aussprach und auf Nachfrage sagte, an Donald Trump könne sie nichts Gutes finden, dachte sich ein BILD-Burnsie folgende Schlagzeile aus:

„Russland: CDU-Chefin AKK liest Putin die Leviten.“

Das ist gelebter Journalismus in der Bundesrepublik und hätte auch von der SZ kommen können. Russland-Bäshing geht immer.

Begegnungen mit den Tiefenfstrukturen der Macht

Im September 2001 schockierte ein verheerender Anschlag die Welt, die Täter hatten Verbindungen nach Hamburg. Ein Freund von mir, der im Hamburger FOCUS-Büro arbeitete, riet seiner Redaktion, mich anzuheuern. Es war eine interessante Erfahrung, in dieser Zeit für ein Blatt zu schreiben, dessen Hauptsitz nicht weit weg von Pullach liegt…

Einen Monat später meldete sich die ZEIT und fragte, ob ich vier Wochen für sie durch den Nahen Osten reisen wollte (jemand hatte mich vorgeschlagen, ich weiß gar nicht wer). Das fand ich eine Bombenidee.

Bis 2013 schrieb ich immer wieder für die ZEIT, zuletzt vor allem Dossiers.

Die Zeitung finanzierte mir aufwendige Reisen in ferne Länder wie Pakistan, Saudi-Arabien und Jemen, außerdem besuchte ich erstmals Syrien als Journalist, was ohne Rückendeckung eines Mediums nicht gegangen wäre (nach Ägypten zum Beispiel reiste ich immer ohne Akkreditierung ein, was heute keine gute Idee mehr wäre).

Ebenfalls aufwendige Reisen bezahlte das evangelische Magazin CHRISMON, die mich mit dem genialen Fotografen Kai Wiedenhöfer von Syrien über den Irak und Iran bis nach Afghanistan führten. Bei diesen Reportagen standen gesellschaftspolitische und religiöse Themen im Vordergrund.

Nicht vergessen sollte ich, dass ich 2000 anfing, für diverse Radiosender zu arbeiten. Ich schrieb Features und Berichte für den Deutschlandfunk, NDR und SWR, außerdem morgendliche Kommentare für Deutschlandfunk Kultur.

Fürs Radio bin ich bis heute gelegentlich tätig.

Eindrücklich in Erinnerung geblieben ist mir eine Reise für einige ARD-Sender in die USA im Herbst 2002, als das Land in Lügen ertrank, die den kommenden Irak-Krieg rechtfertigen sollten.

Ich interviewte Leute, die tief in den Tiefenstrukturen der Macht steckten, ohne es damals zu wissen. Ich werde mir diese Interviews erneut anhören und darüber schreiben (unter dem Komplex Shaping the Narrative).

Im Januar/Februar 2003, wenige Wochen vor Beginn des Angriffskriegs auf den Irak, machte ich einen interessanten Abstecher in die Welt amerikanischer Think Tanks.

Wunderle´s Culture Guide.

Ein Freund aus Beiruter Tagen vermittelte mich an die International Crisis Group (ICG), ein Ziehkind von Präsident Bill Clinton. (Während ich das hier aufscheibe, merke ich, wie oft ich vermittelt wurde. Das Leben ist gut zu mir.)

Ihre Berichte, so hörte ich später, werden besonders gerne von CIA-Analysten gelesen, weil diese stets auf zahleichen (anonymen) Interviews beruhen und ein gutes Stimmungsbild in Land X oder Y liefern.

Ich also sollte in die Türkei fahren und dort die Lage auskundschaften. Stephen Solarz, ein Strippenzieher der Extraklasse, schickte mir eine E-Mail mit zahleichen Kontakten in Ankara und Istanbul.

Es war faszinierend: Alle Tore öffneten sich, sei es in der Britischen Botschaft, der EU-Dépendance oder in windigen türkischen Think Tanks. Ich möchte nicht wissen, wieviele verkappte Agenten mir auf dieser Reise begegnet sind.

War propaganda is serious business.

Leider wurde es nichts mit dem Job bei der ICG. Der Anspruch war zu hoch: Zehn Seiten Analysen pro Tag, die der CIA einen Mehrwert liefern sollen, kann ich nicht leisten, weder auf Englisch noch auf Deutsch.

Ich möchte noch mal betonen, dass ich damals von Tiefenstrukturen der Macht keinerlei Ahnung hatte. Ich hüpfte wie ein Häschen durch ein Feld voller Nattern.

Jetzt aber wieder was fürs Herz: Zwischen 2006 und 2009 hatte ich zahlreiche Auftritte in der arabischen Talkshow Quadriga, die vom arabischen Dienst der Deutschen Welle ausgestrahlt wurde.

Dazu muss ich sagen: Mein Arabisch ist gut, aber nicht perfekt. Es war mutig, in so einer schweren Sprache über Atomwaffensperrverträge zu diskutieren, manchmal kommt es eben doch auf Feinheiten an.

Aber ich dachte mir: So lange die Anfragen kommen, stürze ich mich ins Abenteuer.

Testbild „Miss Virtual Oktoberfest“.

Spannend war die Zeit als Pauschalist beim stern im Jahr 2007, vor allem wegen der so genannten Sauerland-Zelle, einer Truppe von Salafisten, die halb Deutschland in die Luft jagen wollte. Der stern hatte damals eine bemerkenswerte Bissigkeit, das BKA verweigerte deswegen Interviews.

Später ergaben die Recherchen des Investigativressorts, dass ein türkischer CIA-Mann der mutmaßliche Chef der Sauerland-Zelle gewesen war. Er lebt wohl bis heute gemütlich in der Türkei.

Von Mai bis Juli 2009 verbrachte ich drei Monate als Stipendiat der Max-Planck-Gesellschaft am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Ich war ein so genannter Journalist in Residence, was toll klingt. Chef der Arbeitsgruppe war (und ist) Ruud Koopmans, der sich im Zuge der Flüchtlingskrise traute, ein paar unpopuläre Thesen zu vertreten.

Mein Projekt: Ich wollte untersuchen, wie es mit dem Islamischen Religionsunterricht an Berliner Schulen aussieht.

Das hat mit Tiefenstrukturen der Macht nichts zu tun und auch nicht mit transatlantischer Solidarität. Ich erwähne es trotzdem, denn der Trend in der Wissenschaft geht dahin, gescheiterte Projekte in seine Vita mit aufzunehmen.

Das macht einen sympathisch, menschlich und damit glaubwürdig (hoffe ich doch).

Also sage ich: Ich bin mit meinem Projekt in Berlin komplett gescheitert. Wehe, wenn Ihr mich jetzt nicht mögt!

Unter dem Titel „Unerwünschter Gast“ schrieb ich darüber einen Schmollartikel für die Zeitschrift der Berliner Abteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Im November 2014 schließlich, das möchte ich aus Sentimentalitätsgründen erwähnen, erschien im Deutschlandfunk Kultur (damals noch Deutschlandradio) mein bislang letztes Radio-Feature.

Der Titel: „Transatlantische Netzwerke und deutsche Außenpolitik.“

Es gäbe viel zu erzählen, aber irgendwann reicht es mit der Prahlerei.

Mein Einstieg in die Welt der Geheimdienste

Das war also ein Ausschnitt meiner grandiosen journalistischen Tätigkeiten.

Was aber sollte das Aufgezähle sämtlicher Medien? Ich wollte nur sagen, dass meine Erfahrung breit gestreut ist. Das war´s auch schon.

Kommen wir zum interessanten Teil.

Er knüpft da an, wo ich aufgehört habe. Denn beim stern war ich zuständig für Islam in Deutschland. Dazu gehörte der Jihadismus. Als ich nachdachte, wie ich am besten vorgehen sollte, fiel mir ein, wieviele Studienkollegen – darunter alte Freunde – in sämtlichen Sicherheitsbehörden arbeiteten.

Verfassungsschutz und Polizei heuerten nach 2001 alle Islamwissenschaftler an, die nicht bei drei in Mekka waren.

Also ging ich zum Telefon, machte ein paar Termine und baute mir langsam ein Netzwerk an Leuten auf, die sich mit mir austauschten.

Das war ein guter Einstieg in die Welt der Geheimdienste, die in der Bundesrepublik Nachrichtendienste heißen (warum, werde ich an anderer Stelle erklären).

Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt beim Verfassungsschutz Leute, die sich und ihre Arbeit reflektieren und es offensichtlich mögen, mit kritischen Geistern darüber nachzudenken, ob bei ihnen alles richtig läuft.

Es sind keine Whistleblower, sondern intellectual spooks, wenn ich sie so nennen darf. Sie verraten mir keine skandalösen Interna, sondern tauschen Gedanken mit mir aus.

Ab Mitte der 2000er kam in den Sicherheitsbehörden das Thema Salafismus auf, in den Medien wurde es erst ab 2011 gehypt. Bereits im März 2008 veröffentlichte die ZEIT ein vierseitiges Dossier dazu, eine Reportage, die nach einem mehrwöchigen Besuch in einer salafistischen Moschee in Aachen entstand.

Solche Reportagen sind selten, denn für gewöhnlich halten Salafisten ihre Moscheetüren geschlossen, wenn Journalisten auftauchen (heute noch mehr als damals).

Der Autor war ich. Na sowas (Eigenwerbung auf dem eigenen Blog ist erlaubt).

Wie ich erst Jahre später erfuhr, wollte die Chefredaktion das Thema zur Titelgeschichte machen – allerdings nur, wenn sie zur Schließung der Moschee führen würde, also entsprechend scharf geschrieben war.

Dafür war meine Reportage aber zu ausgewogen. Ich will Phänomene verstehen, nicht irgendwelche Moscheen zum Einsturz bringen.

Kriminalität der Mächtigen

Meine Interesse für Geheimdienste nahm in den kommenden Jahren zu. Ich wollte wissen , wie sie funktionieren und was ihre Rolle ist. Sicher bewahren sie uns vor den bösen Links- und Rechtsextremisten (und natürlich vor den Salafisten). Aber da ist mehr.

Ich nenne das Schlagwort „Kommunikation“, ohne es hier auszuführen. Im Themenkomplex Shaping the Narrative werde ich viel darüber schreiben.

Um meine Neugier zu stillen, begann ich im Herbst 2013 ein berufsbegleitendes Studium der Kriminologie am Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg.

Neben mir saßen diverse Polizisten (und Polizistinnen!), Anwälte, Bewährungshelfer, Psychologen und Abteilungsleiter aus dem Strafvollzug sowie stille Vertreter vom Verfassungsschutz.

Die Polizisten, die ich kenne, sind alle lieb.

Diese geballte kriminologische Erfahrung sollte sich als sehr anregend erweisen.

Weil ein paar persönliche Dinge dazwischen kamen, wiederholte ich die einjährige Prozedur 2018 erneut und bin erst jetzt dabei, meine Masterarbeit zu schreiben.

Mich interessiert vor allem das, was im Fachjargon Kriminalität der Mächtigen genannt wird. Ich zitiere Sebastian Scheerer, früher Professor an dem besagten Hamburger Institut:

„Kriminalität der Mächtigen ist die Summe der Straftaten, die zur Stärkung oder Verteidigung überlegener Macht begangen werden.“

(Kaiser/Kerner/Sack/Schellhoss (Hrsg), Kleines kriminologisches Wörterbuch, 3. Aufl., Heidelberg 1993, S. 246.)

Ein jugendlicher Handtaschenräuber handelt nicht überlegen, er braucht das Geld und riskiert für 50 Euro, zum dritten oder vierten mal im Knast zu landen. Es hat nichts mit überlegener Macht zu tun – vielleicht mit Faulheit und Skrupellosigkeit, aber nichts mit Macht.

Ein Milliardär hingegen, der sich in Elitekreisen bewegt und seine Kontakte spielen lässt, um aufsässige Bananenrepubliken zu stürzen, handelt nicht aus Not, sondern aus Gier – Gier nach Macht und Geld, das ihm wiederum helfen wird, seine überlegene Macht weiter zu stärken und zu verteidigen.

Das war jetzt ein Beispiel aus der oberen Liga, aber die interessiert mich besonders. Es ist eine echte Herausforderung, solche Verbrechen zu beweisen, zumal wenn der Staat, in dem die Verbrecher leben, selbst beteiligt ist und an einer Aufklärung kein Interesse haben kann.

Sozialwissenschaftliche Theorien, die sich mit diesen Dingen beschäftigen, werde ich im Themenkomplex State Crimes Against Democracy diskutieren.

Im Spätsommer 2014 bekam ich eine E-Mail, die  entscheidend dafür sein sollte, warum es diesen Blog gibt.

Geschrieben hatte sie Stefan Weidner, ein anerkannter Islamwissenschaftler aus Köln, der sich mit arabischer Literatur beschäftigt, selbst Romane schreibt und Gedichte übersetzt.

Er sagte, der Dietz Verlag in Bonn wollte von ihm ein Buch über das Kalifat haben – ein Begriff, der drei Monate zuvor wie eine Rakete durchgestartet war, weil es im Irak auf einmal einen Kalifen gab (nämlich den Chef vom Islamischen Staat im Irak und in Syrien, kurz ISIS).

Das Thema interessierte ihn nicht und da wir uns seit einigen Jahren kannten, wollte er mich vermitteln.

Kurze Zeit später hatte Stefan Weidner in Hamburg einen Termin und wir trafen uns in einer Kneipe am Hauptbahnhof. Weil ich wusste, dass ihm Poesie gefiel, erlaubte ich mir zu Beginn, meinen neuesten Zweizeiler zu deklamieren:

Aischa sagt zu dem Propheten:

„Ich sah dich nackt in Blumenbeeten.“

Das Gedicht gefiel ihm, auch wegen der Kürze. Dann besprachen wir die Umstände und er gab mir die Nummer von Alexander Behrens, dem Chef des Dietz Verlags.

Black Operation ISIS

Alexander Behrens ist ein guter Mensch und Verleger und wir einigten uns schnell. Ich sagte, eine historische Abhandlung des Kalifats sei langweilig, mich würde die Frage interessieren, welchen Anteil westliche Politik beim Aufstieg dieses Horrorkalifats gehabt haben könnte.

Er stimmte ein und wir wählten den Titel: „Das Kalifat: Traum oder Wahnsinn?“, unter dem das Buch für den Herbst 2015 angekündigt wurde.

Ich begann zu recherchieren. Dazu muss ich sagen: Ich hatte den Syrienkrieg kaum verfolgt, was eigentlich absurd ist. Aber ich bin kein Newsjunkie, der immer auf dem Laufenden ist, meine Wahrnehmung ist eigenwillig und selektiv. Ich hatte zwischen 2011 und 2014 eben anderes zu tun gehabt.

Schnell merkte ich: Irgendetwas stimmte nicht mit dem gängigen Narrativ zum Syrienkrieg. Dieses besagte (und besagt), dass das Assad-Regime alleine für Tod und Vernichtung verantwortlich sei, außerdem trage es die Schuld am Aufstieg des mörderischen Jihadismus. Die anfangs friedliche Revolution hätte sich im Laufe der Jahre radikalisiert, als Reaktion auf die Brutalität der Assad-Truppen.

Ich will das nicht grundsätzlich verneinen, allerdings stieß ich auf Material, welches nahe legte, dass der Westen – also die USA – beim Aufbau des ISIS eine direkte Rolle gespielt hatte.

Ein fast greiser General im Ruhestand sagte bei FOX News lapidar: „We helped build ISIS.“ Jetzt müsse man diese Fanatiker eben bombardieren, ein Grund mehr, endlich im Syrienkrieg einzugreifen.

Sämtliche Führungskader des ISIS verbrachten Zeit in amerikanischen Gefängnissen im Irak und waren damit verfügbar für Anwerbungs- oder Erpressungsversuche. Wichtige Kommandeure wie Omar al-Shishani wurden von amerikanischen Spezialeinheiten, den so genannten Special Operations Forces, ausgebildet. Danach, so die Legende, hätten sie sich radikalisiert und die Seiten gewechselt.

Wer´s glaubt…

Ich erzählte einem Islamwissenschaftler beim Verfassungsschutz von meiner frivolen These und er sagte: „Oha, wenn du das schreiben willst, brauchst du gute Beweise.“

Also fing ich an zu wühlen und fand immer mehr Material, das mir in seiner Gesamtheit die Gewissheit lieferte, dass amerikanische und britische Geheimdienste dieses Monstrum aufgebaut hatten, in Kollaboration mit Saudi-Arabien, der Türkei und vielleicht Jordanien.

Don´t steal my stick.

Ich berauschte mich an meinen Forschungen und fand kein Ende. Bis heute nicht. Aber es wird kommen. Ich peile das Frühjahr 2021 an.

Ein erstes Fazit veröffentlichte ich im April 2015, damals noch recht vorsichtig formuliert, aber eindeutig genug:

„Es mutet verrückt an, dass sich Staatenlenker im Westen vor der Kraft des Islam und seinem Herrschaftsanspruch fürchten, aber genau jene Strömungen unterstützen, die diese Kräfte wecken. Und dieses Spiel geht weiter. Es gehört zu den Tabus in der deutschen Berichterstattung, dass der sogenannte Islamische Staat und seine Vorläufer maßgeblich aus dem Westen unterstützt wurden, in erster Linie von den Vereinigten Staaten.“

Die Tatsache, dass eine Zeitschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dieses Fazit abdruckte, finde ich ermutigend. Es handelt sich zwar um ein Nischenmedium, nämlich um die oben erwähnten Welt-Sichten.

Deren Qualitätsstandards aber sind hoch. Deswegen sage ich: Bei dem Thema Islamischer Staat geht noch was in den akzeptierten Medien.

Die Geschichte der gesamten Buch-Odyssee beschreibe ich in dem Themenkomplex Black Operation ISIS.

Ein Job im Jugendknast auf der Insel

Entscheidend ist, dass ich immer tiefer in die dunkle Welt der Geheimdienste vordrang, die mich anfangs erschreckte und später nur noch faszinierte. Der Zynismus in diesen Kreisen ist atemberaubend, das gilt vor allem für die CIA, was daran liegt, das sie im Dienste eines Imperiums steht. Um das zusammenzuhalten, bedarf es einer gewissen moralischen Flexibilität.

Der operative Flügel der CIA – diejenigen, die morden lassen – scheint zu allem bereit zu sein, ich frage mich, ob er überhaupt Skrupel kennt. Bei den Analysten hingegen, die sich in Washington die Welt von oben anschauen, gibt es anscheinend immer wieder Leute, die zur Vorsicht mahnen. Auch solche „kulturellen“ Unterschiede werde ich hier beleuchten.

Eines muss man den Amis lassen: Sie bringen immer wieder mutige Leute hervor wie den CIA-Whistleblower John Kiriakou, die den Mund aufmachen und damit ihre Karriere und möglicherweise sogar ihr Leben riskieren.

Und noch einen Vorteil haben offene Gesellschaften, trotz aller Kritik: Sie lassen der Wissenschaft (populärer wie strenger) mehr Raum als Stalin oder Pol Pot.

Gute Literatur zum Thema Gehemdienste findet sich zuhauf, ich kam gar nicht mehr hinterher.

Um mein neues Hobby zu finanzieren, heuerte ich im Mai 2015 in der JVA Hahnöfersand an, die auf einer Insel nahe Hamburg liegt. Es ist ein alter Jugendknast, der Probleme mit nordafrikanischen Insassen hatte und auf der Suche nach einer robusten Person war, die Arabisch sprach. Keine weiteren Voraussetzungen.

Ich sagte, ich regel das.

Die nächsten zwei Jahre gehörten zu den lehrreichsten meines Lebens. Ich arbeitete mit Menschen, die eingesperrt waren und solchen, die Macht über die Eingesperrten hatten, aber selbst den ganzen Tag hinter riesigen Zäunen saßen und in einer hierarchischen Ordnung funktionierten, die kaum individuelle Entfaltung zulässt.

In dieser Konstellation als Vermittler zu wirken, hat mir echte Befriedigung gegeben. Um meine Kenntnisse in diesem Bereich zu vertiefen, machte ich 2019/2020 eine Ausbildung als Klärungshelfer (zufälligerweise bei meinem Bruder), was eine Form der Mediation ist.

Ihr Motto lautet: Klarheit durch Wahrheit.

Das ist ganz in meinem Sinne, und zwar generell.

Im Sommer 2017 hörte ich in Hahnöfersand auf, aber ich komme jedes Jahr zum Weihnachtsskat auf die Insel zurück. Letztes mal habe ich gewonnen und als Preis ein riesiges Stück eingeschweissten Kasseler mitgenommen.

Islamisten sind wie Bauern auf dem Schachbrett der Geopolitik“

Wenige Monate später folgte ich einer Einladung der International Police Association (IPA), die, wie der Name schon sagt, ein Zusammenschluss von Polizisten aus aller Welt ist. Der Veranstalter stolperte über meinen Namen, weil er wohl ISIS gegugelt hatte und auf die Ankündigung meines Buches stieß.

Mein Vortrag war Teil eines Lehrgangs im Bergischen Land, der fünf Tage dauerte und sich mit Islamismus und Jihadismus beschäftigte. Als einziger Zivilist blieb ich die ganze Woche und soff mit Bundespolizisten durch die Nacht. Kürzlich wiederholte sich diese Erfahrung.

Beide Male wurde ich im Zimmer „Russland“ einquartiert, das von russischen Bullen mit Ikonen, Flaggen und Uniformteilen drapiert wurde.

Nastrowje…

Ich muss sagen, inzwischen bin ich fast lieber unter Polizisten als unter Journalisten. Der Grund: Wenn ich über die Zusammenarbeit westlicher Geheimdienste mit Jihadisten referiere, hören sie aufmerksam zu, statt „Verschwörungstheorie“ zu rufen. Viele finden plausibel, was ich sage.

Ein Polizist erklärte mir, warum das so sein könnte:

  1. Polizisten würden das „Böse“ kennen, sie hätten täglich damit zu tun (siehe auch hier). Sie hielten quasi alles für möglich.
  2. Polizisten müssten sich in die Gedankenwelt von Verbrechern hineinversetzen, um deren Handlungen zu verstehen. Gedankliche Tabus seien da schlecht.
  3. Polizisten müssten Szenarien entwerfen, wie ein Verbrechen abgelaufen sein könnte, um zielgerichtet ermitteln zu können. Auch hier müsste man offen für alle Möglichkeiten und Theorien (!) sein.

Mir leuchtete das ein.

Mittlerweile weiß ich, dass auch andere Vertreter der deutschen Sicherheitsarchitektur mit meinen Erklärungsmodellen etwas anfangen können.

So arbeite ich derzeit an einem Stundenfeature für den NDR über Jihadismus. Dafür interviewte ich kürzlich Uwe Schünemann, von 2003 bis 2013 niedersächsischer Innenminister.

Er forderte 2012 einen Ausfuhrstopp deutscher Waffen nach Saudi-Arabien, „(w)enn sich zweifelsfrei herausstellen sollte, dass die Öffentlichkeitsarbeit von Salafisten in Deutschland aus dem saudi-arabischen Raum signifikant unterstützt würde..“

Es sei absurd, den Salafismus hierzulande zu bekämpfen, seine Sponsoren im Ausland aber hochzurüsten.

Angela Merkel pfiff ihn zurück.

Als das Interview vorbei und das Mikrofon aus war, plauderten wir weiter. Ich sagte, es sei eigentlich skandalös, dass amerikanische Geheimdienste den Jihadismus für ihre Zwecke benutzten, und zwar nicht nur in Afghanistan vor 30 Jahren, sondern hier und heute.

Ich fragte ihn, ob ihm das klar sei.

Der Ex-Innenminister sagte nicht nein, um es konservativ auszudrücken.

Er betonte, dass die Bundesrepublik vor allem auf amerikanische und israelische Hilfe angewiesen sei, wenn es um Informationen über mögliche Attentäter geht, die aus dem fernen Orient einreisen.

Das, so möchte ich sagen, ist ein zweischneidiges Schwert.

Wenn die Außenpolitik der Bundesrepublik zu weit abdriftet und unsere Busenfreunde verärgern sollte, lässt sich diese geheimdienstliche Überlegenheit von geschultem Personal als Druckmittel einsetzen.

Dieses Personal müsste einen ISIS-Amokläufer einfach nur gewähren lassen oder – wenn er sich zu doof anstellt – mit aller Macht seine Festnahme verhindern.

Manchmal ist es schwer zu durchschauen, wofür Terrorlektionen gedacht sein könnten.

Es soll vorkommen, dass man Alliierten – so ganz unter Freunden – klar machen will, lieber nicht zu sehr auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen oder gar Hochmut zu entwickeln (wie es zum Beispiel beim BKA bis Dezember 2016 scheinbar der Fall war…).

Die Gefahr lauert an jeder Ecke, wir sind im Krieg. Es ist also besser, wenn alle zusammenhalten und endlich kapieren, worum es geht.

„Smells fischy.“

Wie schon gesagt: Ein wichtiger Job von Geheimdiensten ist Kommunikation, und Terrorismus ist Kommunikation, dazu eine sehr effiziente Form derselben.

Angst essen Seele auf und dann das Urteilsvermögen, wie der britische Dokumentarfilmer Adam Curtis in seinem Werk „The Power of Nightmares“ (Die Macht der Alpträume) meisterhaft darstellte.

Wer Angst hat, sucht Schutz bei Papi.

Shlomo Shpiro, Terrorismus-Experte an der Bar-Ilan University in Tel Aviv, schlenderte am 19. Dezember 2016 kurz vor 20:00 über den Breitscheidtplatz („Es ist ein bildschöner Weihnachtsmarkt, wirklich eine Perle Berlins“). Er kam gerade von einer Konferenz.

Zehn Minuten später raste völlig unerwartet ein Lastwagen in den bildschönen Weihnachtsmarkt und tötete 12 Menschen – der erste große dschihadistische Anschlag auf deutschem Boden.

Im Gespräch mit der BILD-Zeitung erklärte Terrorexperte und Fastzeuge Shlomo Shpiro, was er von Deutschland nun erwarte:

„Die Deutschen müssen lernen, den Terrorismus beim Namen zu nennen. Wie kann man das Problem lösen, wenn man nicht die richtigen Worte dafür findet?“

Zum Schluss noch diese Anekdote: Vor nicht langer Zeit telefonierte ich mit einem Islamwissenschaftler vom Verfassungsschutz. Er hatte über Jahre unter Pseudonym meine Facebook-Texte zu dem Thema verfolgt. (An meine Facebook-Freunde: Es ist klar, dass bei mir bestimmte Leute mitlesen, das liegt an der Natur des Themas.)

Anfangs fand er meine Thesen verrückt, mittlerweile steht für ihn fest: Ich habe Recht.

„Man muss erst einen gewissen Perspektivwechsel vornehmen“, sagte er, „danach macht die Sache Sinn. Die Islamisten sind wie Bauern auf dem Schachbrett der Geopolitik: Sie werden eingesetzt, um dem Gegner zu schaden.“

Ich fragte ihn: „Meinst du, ob viele deutsche Politiker das wissen?“

Er sagte: „Kevin Kühnert bestimmt nicht, der ist zu naiv. Andere schon, aber sie reden nicht darüber.“

Ich aber werde reden und nicht schweigen.

13. April 2020

P.S. Unter dem Bild folgt ein längeres P.P.S.


Armed and dangerous.

„…weil du einfach eine provokante, dabei aber informative Stimme sein kannst…“

P.P.S. Anbei die Reaktion eines Verfassungsschützers auf diesen einleitenden Text, der zentral ist für meine Begründung, warum ich mich so weit aus dem Fenster lehne.

Mich hat die Reaktion überrascht, kann ich nicht anders sagen; ich sehe mich in meinem Projekt bestätigt.

Die Zeit ist reif!

17. April 2020


„Toller Text, hat Spaß gemacht zu lesen und vor allem die Bilder aus dem privaten Archiv sind klasse!! Hoffe, dass da noch mehr kommt.

Meine Highlights: Geschichte über deinen Vater im Libanon und die bei dir geweckte Sehnsucht, das Land zu bereisen, deine transatlantischen Erfahrungen und dann natürlich noch die Welt der Geheimdienste:

„Verfassungsschutz und Polizei heuerten nach 2001 alle Islamwissenschaftler an, die nicht bei drei in Mekka waren.“ – Was für eine geniale Pointierung!

Und die Bezeichnung intellectual spooks gefällt mir auch sehr gut. Da kann ich mich wiederfinden 😉

Besonders geehrt fühle ich mich aber von dieser Anekdote:

„Ich erzählte einem Islamwissenschaftler beim Verfassungsschutz von meiner frivolen These und er sagte: „Oha, wenn du das schreiben willst, brauchst du gute Beweise.““

Es hat mich aufrichtig überrascht, dass du dich daran noch erinnert hast und dass du unser Gespräch als so bedeutend abgelegt hast, dass du es noch mal in deinem Blog ansprichst.

Hat mich echt berührt und gefreut, dass solche Gespräche nicht nur Momentaufnahmen sind, sondern tatsächliche Auswirkungen/Effekte haben und die Zukunft ein kleines Stück verändern können.

Kurzum: Ein sehr spannender und unterhaltsamer erster Beitrag auf deinem Blog, der Lust auf mehr macht.

Habe auch schon Werbung dafür gemacht und würde mir für dich wünschen, dass du ein Comeback auf öffentlichem Parkett hinlegen würdest, weil du einfach eine provokante, dabei aber informative Stimme sein kannst.

Vlt. wäre es ja auch möglich, einen parallelen Youtube-Channel aufzubauen, so dass man dich öfter live und in Farbe verfolgen kann?“