„Das zionistische Regime ist entschlossen, Zwietracht zu säen“

Mossad und CIA wollten im Januar 2026 offenbar einen Bürgerkrieg im Iran entfachen. Aber wo sind die Beweise?

Teil 1: „Wir sehen einen sehr starken Schwerpunkt auf nachrichtendienstlicher Arbeit“

Am 28. Dezember 2025 begannen in Teheran Demonstrationen wegen der verheerenden wirtschaftliche Lage im Iran, die sich schnell auf das ganze Land ausweiteten und im Januar 2026 in schwere Unruhen mündeten, bei denen Tausende Menschen starben.

Sehr ungewöhnlich ist die Tatsache, dass sich israelische Quellen – allen voran der Mossad – von Beginn an dazu bekannten, bei diesen Unruhen eine aktive Rolle gespielt zu haben. Dem Mossad folgend berichteten israelische Medien freimütig über die „verdeckte“ Kriegsführung ihres Landes in einer Region, die Tausende Kilometer von Tel Aviv entfernt liegt.

Wir werden in diesem mehrteiligen Artikel dieses äußerst erstaunliche Phänomen akribisch, chronologisch und eng an den Quellen dokumentieren sowie analysieren. Englische Zitate werden im Original belassen, um die Authentizität zu bewahren.

Doch zunächst die Frage: Warum sollte man zum jetzigen Zeitpunkt eine aufwändige Dokumentation zu den extrem gewalttätigen Unruhen im Januar produzieren? Sie wurden von iranischen Sicherheitskräften brachial unterdrückt und führten nicht zu dem vom Westen gewünschten Regime-Change.

Vielmehr starteten am 28. Februar 2026 die USA und Israel einen Angriffskrieg auf den Iran, der weiter anhält und offensichtlich eskaliert. Alle Augen sollten sich demnach auf die aktuellen Ereignisse richten.

Zwei Gegenargumente lassen sich anführen: Erstens wird – zum Beispiel bei Diskussionen in sozialen Medien – hartnäckig behauptet, das iranische „Regime“ habe ein Massaker an der eigenen Bevölkerung begangen, was das Vorgehen der westlichen Angriffskoalition rechtfertige. Zahlen von mehr als 30.000 getöteten „Protestierenden“ (DIE ZEIT) werden ungeprüft in den Raum gestellt. Ob diese horrende Zahl stimmen kann, werden wir am Ende der Artikelserie eruieren. Tatsache ist, dass in jedem Fall mehr als 3.000 Menschen gestorben sind, denn das sagen die offiziellen Statistiken der iranischen Regierung selbst.

Entscheidend ist aber zweitens, dass nie infrage gestellt wird, auf wessen Konto die getöteten Menschen gehen und ob sich unter ihnen nicht auch eine substanzielle Anzahl von Sicherheitskräften befinden könnten. Ohne sich die Dynamiken dieser Tragödie im Detail angeschaut zu haben, ist für westliche Medien selbstverständlich, dass das „Regime“ der Islamischen Republik die volle Verantwortung trägt.

Wir werden im folgenden zeigen, dass es gute Gründe gibt, von dieser selbstverständlichen Haltung Abstand zu nehmen.

25. Juni 2025

Als Einstieg in das Thema bietet sich der 25. Juni 2025 an. Die Jerusalem Post veröffentlicht an diesem Tag einen Artikel mit der Überschrift:

Israel will be in Iran for years to come, Mossad head David Barnea says

Wie aufgekratzt von den (scheinbaren) Erfolgen im Zwölftagekrieg, der gerade zuende gegangen ist, beschreibt die Zeitung eine Szene, in der David Barnea zu seinen Agenten spricht:

Mossad Chief David Barnea on Wednesday issued a rare video excerpt to the public of an address to his Mossad agents involved in the sensational operations against Iran on June 13 and afterward, which brought the Islamic Republic to its knees.

Almost tauntingly to Tehran, he told his Mossad agents, “We will [continue to] be there, like we have been there.”

Barnea nennt die Erfolge seiner Leute „unglaublich“, darunter tödliche Attentate auf Atomwissenschaftler und militärisches Führungspersonal. In erstaunlicher Offenheit spricht er über die Anzahl seiner Agenten im Iran und dankt der CIA für ihre „unbezahlbare Kooperation“:

In a stunning disclosure, the Mossad has acknowledged that it had hundreds of agents inside Iran at the height of its operations, which threw the regime on its back heels from the start of the war. He said that the Mossad had worked for months and years “to do all of the right actions to get to the right moment...We understood the fatefulness of the hour.”

Barnea also thanked IDF intelligence, the IDF Chief Lt.-Gen. Eyal Zamir, and the CIA for their invaluable cooperation during the operation.

Weiter berichtet die Zeitung über „seltenes“ und „atemberaubendes“ Videomaterial, das Mossad-Agenten dabei zeige, wie sie iranische Flugabwehrsysteme ins Visier nähmen, um dann erneut zu betonen, wie ungewöhnlich das sei:

Although far more information has been publicized about the IDF’s [Israeli Defense Forces] actions, these videos give readers a rare front seat into what normally are entirely clandestine operations, which the Mossad does not even admit to. 

Am selben Tag veröffentlicht die Jerusalem Post einen weiteren Artikel, der sich wie eine Warnung liest:

During this war, Israel killed nine of 13 top Iranian commanders and turned Tehran inside out, penetrating just about every nook and cranny they wanted to get to.

This penetration in and of itself will force Iran to rethink its basic strategic approach and capabilities versus Israel.

Auf Deutsch: Israel habe die iranische Gesellschaft „penetriert“ und sei in der Lage, in jede Ecke der Hauptstadt vorzudringen, wenn es nötig sei.

Beide Artikel sind möglicherweise dazu gedacht, Panik zu stiften und die iranischen Sicherheitskräfte in einen permanenten Ausnahmezustand zu versetzen. Ob die Details stimmen, ist dabei erstmal unerheblich, entscheidend ist, dass sie stimmen könnten, denn das allein würde reichen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

29. Dezember 2025

Machen wir einen Sprung ans Ende des Jahres. Am 28. Dezember 2025 beginnen in Teheran die eingangs erwähnten Demonstrationen. Einen Tag später stellt die Jerusalem Post einen Artikel ins Netz, der zu bestätigten scheint, was die Zeitung ein halbes Jahr vorher angekündigt hatte: Das Regime sei in heller Aufregung und sehe sich einer Kampagne der psychologischen Kriegsführung ausgesetzt:

A second day of protests in Iran raged on Monday as demonstrators voiced anger over the rapidly falling value of the rial. Regime officials blamed the unrest and broader economic decline on “enemy psychological warfare.” 
...
The IRGC [Islamische Revolutionsgarde] attributed the dissent to “cognitive warfare, psychological operations, and narrative creation.”

Tatsächlich wendet sich am selben Tag der Mossad via x.com auf Persisch an die zornigen Massen und versichert ihnen nicht nur moralische, sondern auch aktive Hilfe auf den Straßen zu. In englischer Übersetzung heißt der Text:

Let´s come out to the streets together. The time has come. We are with you. Not just from afar and verbally. We are with you in the field as well.

Fast zeitgleich kommentiert die Jerusalem Post in einem weiteren Beitrag das Vorgehen des Mossad und betont, wie ungewöhnlich es für den Geheimdienst sei, eine „laufende Operation“ zuzugeben:

On Monday, the Mossad used its Twitter account in Farsi to encourage Iranians to protest against the Iranian regime, telling them that it will join them during the demonstrations.
(..)
The statement was a rare open acknowledgment from the Mossad regarding ongoing operations in Iran.

Um den iranischen Sicherheitskräften klar zu machen, was die Stunde geschlagen hat, erinnert die Zeitung außerdem daran, dass im Zwölftagekrieg hunderte „Mossad-Agenten“ im Iran aktiv gewesen seien, die Dutzende hochrangige Vertreter aus Militär und Geheimdiensten getötet hätten:

In June, the Mossad had hundreds of agents involved in Israel’s 12-day war, which set back Iran’s nuclear program, ballistic missiles program, air defense systems, and killed dozens of its top military and intelligence officials.

1. Januar 2026

Die friedlichen Proteste sind in Gewalt umgeschlagen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet über einen Angriff auf eine Polizeistation, bei dem drei Demonstranten umgekommen seien:

The semi-official Fars news agency reported that three protesters were killed and 17 were injured during an attack on a police station in Iran's western province of Lorestan.

"The rioters entered the police headquarters around 1800 (local time) on Thursday ... they clashed with police forces and set fire to several police cars," Fars reported.

Tatsächlich tauchen am selben Tag bei x.com Clips von einem Polizisten auf, dessen Gesicht großflächig vebrannt ist. Insgesamt seien 13 Polizisten in Kuhdasht (Lorestan) verletzt worden. Dieser Clip stammt von einem iranischen Analysten und lässt sich von meiner Seite nicht verifizieren, er wirkt jedoch authentisch auf mich.

Ungeachtet der verletzten Polizisten, so Reuters weiter, sei die Regierung um eine Beruhigung der Lage bemüht:

Tehran has responded to the protests with an offer of dialogue alongside its security response.

Government spokesperson Fatemeh Mohajerani said on Thursday that the authorities would hold a direct dialogue with representatives of trades unions and merchants, but without giving details.

2. Januar 2026

Die New York Times bestätigt einen Tag später diese Beschwichtigungsbemühungen:

Iranian authorities have met past protest movements with force, detaining demonstrators and, at times, killing them. This time, officials say they are seeking talks with protest organizers and other representatives, with senior leaders even striking a more conciliatory tone. 

Trotzdem spricht US-Präsident Donald Trump eine scharfe Warnung an die iranische Regierung aus und präsentiert sich als Ritter auf dem weißen Pferd. Die New York Times berichtet:

If Iran “violently kills peaceful protesters, which is their custom, the United States of America will come to their rescue,” Mr. Trump said in a post on Truth Social early Friday morning. “We are locked and loaded and ready to go.”

Die Nachrichtenagentur Associated Press geht ausführlich auf Trumps Botschaft ein und hebt hervor, dass seine direkte Unterstützung für die Demonstranten von der bisherigen Politik der USA abweiche. Aus Sorge, Aktivisten im Iran könnten als Agenten des Westens bezeichnet werden, hätten andere Präsidenten sich zurückgehalten.

Naysan Rafati, ein Analyst beim prestigeträchtigen Think Tank International Crisis Group (ICG), sieht in Trumps Vorgehen eine Gefahr: Die iranische Regierung könnte das als Beweis werten, dass die Unruhen von außen angefacht werden:

“Though the grievances that fuel these and past protests are due to the Iranian government’s own policies, they are likely to use President Trump’s statement as proof that the unrest is driven by external actors[.]"

Diese Dynamik ist aber möglicherweise genau das, was Trumps Botschaft bezweckt: Aus Angst, ein von außen unterstützter, gewalttätiger Aufruhr könnte tatsächlich zu einem Bürgerkrieg führen, könnte die Regierung sich entscheiden, mit aller Härte das Problem im Keim zu ersticken. Das würde zwangsläufig viele Tote mit sich bringen und den USA die Rechtfertigung liefern, Trumps Versprechen einzulösen.

ICG-Analyst Naysan Rafati sieht diese Dynamik ebenfalls, ohne dass er eine bewusste Absicht hinter Trumps Botschaft erkennt:

“But using that as a justification to crack down more violently risks inviting the very U.S. involvement Trump has hinted at.[.]"

Die Ankündigung der USA, militärisch loszuschlagen, wenn die iranischen Sicherheitskräfte Demonstranten töten würden, kann eine Aufforderung an Agents Provocateurs sein – aber auch an bewaffnete Milizen, wie wir sehen werden -, gerade diese Art von Opfer zu produzieren.

Der Einsatz von Agents Provocateurs ist weltweit gängige Praxis bei verdeckten Operationen – aber gibt es solche Akteure wirklich auf den Straßen des Iran?

Ali Larijani, Generalsekretär des Obersten Rates für nationale Sicherheit und einer der einflussreichsten Politiker des Landes, ist laut Associated Press davon überzeugt:

Ali Larijani [..]alleged that Israel and the U.S. were stoking the demonstrations. He offered no evidence to support the allegation, which Iranian officials have repeatedly made during years of protests sweeping the country.

Handfest beweisen lässt sich diese Praxis tatsächlich nur, wenn Beteiligte vortreten und aus freien Stücken darüber berichten, was im Angesicht der zu erwartenden Strafe kaum denkbar ist.

(In einem deutschen Kontext gibt es diesen interessanten Fall aus dem Jahre 2010.)

Allerdings nehmen wir zur Kenntnis, dass US-amerikanische und israelische Quellen immer wieder Andeutungen machen, dass die USA und Israel bei diesen Unruhen eine Rolle spielen.

Wenige Stunden nach Trumps Weißer-Ritter-Botschaft meldet sich sein früherer CIA-Chef zu Wort, der abgespeckte Mike Pompeo. Er verteilt Neujahrsgrüße auf x.com und lässt seine Freunde vom Mossad hochleben:

The Iranian regime is in trouble. Bringing in mercenaries is its last best hope.

Riots in dozens of cities and the Basij under siege — Mashed, Tehran, Zahedan. Next stop: Baluchistan.

47 years of this regime; POTUS 47. Coincidence?

Happy New Year to every Iranian in the streets. Also to every Mossad agent walking beside them...

@realDonaldTrump @SecRubio @CIADirector

Die kryptische Andeutung „Next stop: Baluchistan“ hat eine brisante Note, wie wir gleich sehen werden. Mike Pompeo will damit einen Knopf drücken, von dem er weiß, das er das iranische Regime auf Hochtouren bringen kann.

Ferner behauptet Pompeo, das iranische Regime müsse „Söldner“ anheuern, um sein Überleben zu retten. Auch das ist ein Teil aus dem Werkzeugkasten der psychologischen Kriegsführung, den Tage später dubiose Infokrieger aus dem Irak aufgreifen werden, bis er schließlich bei CNN landet. Weiter unten finden wir eine plausible Erklärung für diese Vorgehensweise.

Sofern wir es hier tatsächlich mit psychologischer Kriegsführung zu tun haben, bei der es darum geht, die iranischen Sicherheitsbehörden in Panik zu versetzen und in eine Spirale der Gewalt zu verwickeln, die dann propagandistisch ausgenutzt werden kann, sind wir Zeuge einer bemerkenswerten, weil öffentlich nachvollziehbaren Koordination zwischen israelischen und US-amerikanischen Akteuren (britische sind dann meistens auch nicht weit…).

Am selben Tag flimmert ein Nachrichtenclip durch die sozialen Medien, der, sofern er korrekt übersetzt ist, offenlegt, was US-amerikanische und israelische verdeckte Krieger wahrscheinlich wirklich im Schilde führen.

Es handelt sich um eine Sequenz aus dem israelischen Fernsehsender i24News, in der der Journalist Zvi Yehezkeli seine Eindrücke von den Unruhen im Iran beschreibt. (Gepostet auf x.com von dem iranischen Analysten Ehsan Safarnejad, deswegen der Vorbehalt bzgl. der Übersetzung.)

Zvi Yehezkeli arbeitete in seiner früheren Karriere beim Inlandsgeheimdienst Shin Beit, ihm wird zudem nachgesagt, dass er bei Recherchen in Europa mit dem Mossad kooperiert hat. Der Mann weiß also, wie verdeckte Operationen funktionieren.

Seinem Eindruck nach sind die Proteste im Iran nicht spontan, vielmehr sieht er eine „führende Hand“, die die Richtung vorgebe:

I see the behavior of the protestors now. On one hand, I see a lot of boldness. I also see they are very compartmentalized. (..) There is propably some training here. There´s no way this is purely natural on its own, and that´s ok, that´s not wrong. And therefore, there is some guiding hand here. 

Jetzt der interessante Teil:

Don´t forget that Iran is a nation of tribes and ethnic groups, from foreigners to Baluchis to Ahwazis to Arabs and non-Arabs. So there is a very strong line here of intelligence-type work. But ultimately, the Iranian people have to do it.

Ethnische Minderheiten im Iran: Sie sind seit langem ein Hebel, den anglo-amerikanische und israelische Geheimdienste benutzen, um das Land zu destabilisieren.

Einschub: 25. Februar 2007

In der Ära von Präsident George W. Bush wurde offen über diese Praxis berichtet, unter anderen im Daily Telegraph vom 25. Februar 2007. Der Artikel trägt eine unmissverständliche Überschrift:

US funds terror groups to sow chaos in Iran

Dort heißt es:

CIA officials are understood to be helping opposition militias among the numerous ethnic minority groups clustered in Iran's border regions.

Und weiter:

The operations are controversial because they involve dealing with movements that resort to terrorist methods in pursuit of their grievances against the Iranian regime. 
In the past year there has been a wave of unrest in ethnic minority border areas of Iran, with bombing and assassination campaigns against soldiers and government officials.

Genannt werden ausdrücklich jene Minderheiten, die der israelische Journalist Zvi Yehezkeli und Mike Pompeo („Next stop Baluchistan“) im Jahre 2026 als „Hoffnungsträger“ nennen:

Such incidents have been carried out by the Kurds in the west, the Azeris in the north-west, the Ahwazi Arabs in the south-west, and the Baluchis in the south-east. Non-Persians make up nearly 40 per cent of Iran's 69 million population, with around 16 million Azeris, seven million Kurds, five million Ahwazis and one million Baluchis. Most Baluchis live over the border in Pakistan.

Die CIA finanziere diese Separatisten, darunter die „Brigade of God“ aus Balutschistan, die ansonsten unter dem Namen Jundallah firmiert. Das Budget dafür stehe unter Geheimhaltung, wenngleich die Operation kein „großes Geheimnis“ mehr sei, so ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des Geheimdienstes.

Fred Burton, ein früherer „counter-terrorism agent“ im US-Außenministerium, bestätigt das:

"The latest attacks inside Iran fall in line with US efforts to supply and train Iran's ethnic minorities to destabilise the Iranian regime."

Noch stellten sie keine wirkliche Gefahr dar, aber ein westlicher Angriff auf den Iran könne das ändern:

At present, none of the opposition groups are much more than irritants to Teheran, but US analysts believe that they could become emboldened if the regime was attacked by America or Israel.

Einschub: 13. Januar 2012

Auch Mossad-Agenten waren in diese verdeckte Operation verstrickt, wie das US-Magazin Foreign Policy fünf Jahre später berichtet. Sie hätten Jundallah-Terroristen rekrutiert und sich dabei als amerikanische Spione ausgegeben:

A series of CIA memos describes how Israeli Mossad agents posed as American spies to recruit members of the terrorist organization Jundallah to fight their covert war against Iran. 

Die Methoden der CIA-finanzierten Terroristen eigneten sich scheinbar gut, um Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten, was die gewünschte Destabilisierung des Iran herbeiführen sollte:

Jundallah, according to the U.S. government and published reports, is responsible for assassinating Iranian government officials and killing Iranian women and children.

Darüber hinaus handelte es sich offensichtlich um ein israelisch-anglo-amerikanisches Joint Venture, wie das Magazin weiter berichtet:

The memos also detail CIA field reports saying that Israel’s recruiting activities occurred under the nose of U.S. intelligence officers, most notably in London, the capital of one of Israel’s ostensible allies, where Mossad officers posing as CIA operatives met with Jundallah officials.

Die Unterstützung dschihadistischer Terroristen vollzog sich während der Amtszeit der Präsidenten George W. Bush sowie Barack Obama, selbst wenn letzterer die Jundallah im Herbt 2010 auf die US-Terrorliste setzen ließ.

Wenig spricht dafür, dass der jetzige Präsident Donald Trump mehr Skrupel haben könnte, auf ähnliche Weise gegen den Iran vorzugehen.

Ende Teil 1.

***

Frauen- und Firepower in der taz

Nach 12 Tagen Krieg behauptet eine Autorin in der früheren Friedenspostille: Die Jugend im Iran ist guter Dinge und freut sich auf weitere präzise Bombardements

Gestern habe ich spontan eine Art Matrix entworfen, wie man journalistische Texte analysieren kann.

Anhand dieser Matrix möchte ich nun einen Artikel aus der taz unter die Lupe nehmen. Mein roter Faden sind die sechs W, aus der diese Matrix besteht:

Wer hat den Artikel geschrieben (nicht-spekulativ/faktisch). Worum es geht: Legitimation.

Was hat sie geschrieben (nicht-spekulativ/faktisch). Worum es geht: Fakten.

Wann hat sie es geschrieben (nicht-spekulativ/(analytisch). Worum es geht: Kontext.

Warum hat sie es geschrieben (spekulativ). Worum es geht: Motivation/Absicht.

Wie hat sie es geschrieben (nicht-spekulativ/analytisch). Worum es geht: Wirkung.

Wo ist der Text erschienen (nicht-spekulativ/spekulativ). Worum es geht: Glaubwürdigkeit/ Absicht.

Sofern sich die Herangehensweise bewährt, werde ich künftig weitere Artikel mithilfe dieser Matrix analysieren.

Allerdings werde ich nicht stur nach dem obigen Muster vorgehen, sondern je nach Artikel entscheiden, welche Frage ich zuerst behandele.

In diesem Fall fange ich mit folgender Frage an:

1. Was hat die Autorin geschrieben

Der Artikel in der taz ist am 10. März 2026 erschienen und trägt folgende Überschrift:

„Kapituliert, kapituliert!“

Die Unterzeile lautet:

Viele junge Menschen aus Teheran vereint nach zwölf Tagen Bombardierungen von USA und Israel ein Wunsch: dass die Islamische Republik zusammenbricht.

Schlagzeile und Untertitel geben unmissverständlich wieder, worum es in dem Artikel geht.

Der erste Absatz beschreibt die Lage im Iran nach 12 Tagen Krieg, die „vielschichtichig, fast surreal“ sei. Die Machtstruktur der Islamischen Republik sei unerwarteterweise erhalten geblieben:

Es gibt einen neuen Führer und Iran greift weiterhin Ziele in Nachbarländern an.

Im zweiten Absatz vergleicht die Autorin die Situation mit dem Zwölftagekrieg im Juni 2025, als sich mehr Menschen in Sicherheit gebracht hätten als jetzt:

Die sozialen Plattformen sind voll mit Witzen über den jungen Chamenei, der auf den alten folgt.

Im dritten Absatz beschreibt die Autorin, wie die Iraner mit der Bombardierung ihres Landes umgehen, er ist es wert, in Gänze zitiert zu werden:

Der iranische Himmel steht den Kampfjets der USA und Israels weit offen. Und sie erzeugen kaum noch Angst. Die Leute haben gelernt, die Geräusche des Krieges einzuordnen. Sobald ein Flugzeug zu hören ist, ploppen Telegram-Nachrichten auf: „Angriff“. „Es geht los“. „Gleich schlägt es ein“. „Bombe“. Einige haben echte Angst, wenn sie eine Explosion hören. Aber die meisten verspüren stille Zufriedenheit: Es gibt wieder einen Militärkommandanten weniger. Von Zerstörungen berichten die wenigsten.

Im vierten Absatz legt die Autorin nahe, dass einige Iraner die Angriffe wie ein „Videospiel“ betrachteten:

...viele Iraner sagen, das Verschwinden von Gebäuden, Infrastruktur oder Flugzeugen kümmere sie nicht. Wenn die Islamische Republik untergeht, so glauben sie, kann Iran mit seinem immensen Humankapital und reichhaltigen Ölreserven etwas Besseres aufbauen.

Im fünften Absatz beschreibt sie das Vorgehen der paramilitärischen Miliz Basidsch sowie die Wachsamkeit der „Bürger“, die auf das Signal zum Aufstand ihres „Prinzen“ warten:

Bewaffnet, schreiend und sichtbar aggressiv patrouillieren sie insbesondere in Großstädten wie Teheran, um Menschen einzuschüchtern und Proteste oder jeglichen organisierten Dissens im Keim zu ersticken. Viele Bürger harren in ihren Häusern aus und warten auf ein Signal, sich zu Massenprotesten zu sammeln, wie etwa vom exilierten Prinzen Reza Pahlavi und US-Präsident Donald Trump empfohlen. 

Im sechsten Absatz zitiert sie die 28jährige Pari aus Teheran:

„Ich kann ganz ehrlich sagen: Dies ist eines der schönsten Gefühle meines Lebens [..] Ich habe keinen Zweifel, dass die andauernden Bombardierungen nicht übertrieben sind. Sie sind nötig für den Sturz des Regimes. Mein einziger Wunsch ist, dass die Islamische Republik zusammenbricht, so schnell wie möglich.“

Im siebten Absatz zitiert die Autorin weiter Pari:

"Es stimmt, wir fürchten uns,[a]ber Freiheit hat einen Preis, und wir sind bereit, ihn zu bezahlen. Mein Haus ist in einem Gebiet, wo viele Raketen und Bomben gefallen sind. Aber wir bleiben hoffnungsvoll. Ich habe Teheran nicht verlassen, aus einem einzigen Grund: Ich warte auf einen Aufruf von Prinz Reza Pahlavi, auf die Straße zu gehen und meine Pflicht für mein Land zu tun.“

Im achten Absatz zitiert die Autorin den 24jährigen Alireza aus Teheran, der sich regelmäßig mit seinen Freunden trifft, um die Nachrichten zu verfolgen:

Immer wenn wir eine Explosion hören, rufen wir zusammen: ‚Kapituliert, kapituliert.‘ Was die Leute in Iran jetzt am meisten wollen, ist, dass die Islamische Republik so schnell wie möglich kapituliert. Mit jedem Tag sehen wir mehr Zerstörung in unserem Land wegen des Abenteurertums der Islamischen Republik. Die Hauptverantwortlichen sind die Offiziellen der Revolutionsgarden und der Islamischen Republik.“

Im neunten Absatz wird weiter Alireza zitiert:

„Hier fürchten wir nur eines: dass die USA und Israel von Iran ablassen, ohne die Islamische Republik zu stürzen. Falls das passiert, werden wir für den Rest unseres Lebens Verlierer sein: Die Islamische Republik hat dann unsere Vergangenheit zerstört und die USA haben unsere Zukunft verkauft.“

Im zehnten Absatz beschreibt Reza das Vorgehen der angreifenden Staaten USA und Israel:

Er findet, bisher hätten die USA den Krieg völlig ethisch korrekt geführt. „Erst griffen sie den Kopf der Schlange an. Als die Islamische Republik mit ihren Angriffen begann, weiteten sie ihre Ziele aus. (..) Wenn man die Satellitenbilder betrachtet, haben sie präzise bombardiert. Sie hätten die Ölraffinerien und Energieinfrastruktur des Landes zerstören können, ohne Rücksicht auf unser Leben, und den Krieg schnell gewinnen können. Aber sie gehen vorsichtig vor, schrittweise. 
Sollte die Islamische Republik sich für die Kapitulation entscheiden, wird das zum Nutzen des iranischen Volkes sein.“

Damit endet der Artikel.

Kommen wir zur zweiten Frage:

2. Wie hat die Autorin den Artikel geschrieben

Der Artikel kann in etwa so zusammengefasst werden:

Schuld an allem ist die Islamische Republik Iran, die mit einer aggressivem „Schlange“ verglichen wird, die immer wieder angreift.

Die USA und Israel hingegen greifen nicht an. Vielmehr nutzen sie den „offenen Himmel“ des Iran, um die zivile Infrastruktur mit präzisen Bombardierungen zu zerstören.

Das macht der iranischen Jugend aber gar nichts, sie freut sich sogar darüber, weil alles wieder aufgebaut werden kann, wenn ihr Prinz ins Land zurückgekehrt sein wird. Die iranische Jugend wartet nur auf ein Signal von ihrem Prinzen sowie von Donald Trump, um auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Danach wird alles gut.

Fazit: Die USA und Israel dürfen auf keinen Fall mit ihren präzisen Bombardierungen aufhören, solange die Islamische Republik nicht kapituliert hat.

Die dritte Frage:

3. Wann hat die Autorin den Artikel geschrieben bzw. noch wichtiger: wann ist er erschienen

Am 10. März 2026, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, sind u. a. folgende Fakten bekannt:

Die USA und Israel (ab jetzt: Angriffskoalition) haben tausende Angriffe geflogen. Dabei ist gleich zu Anfang eine Mädchenschule von einem Geschoss getroffen worden, mindestens 150 Zivilisten wurden getötet, wie die BBC am 1. März berichtet..

Am 4. März prahlt US-Kriegsminister Pete Hegseth, dass das US Militär „Tod und Zerstörung“ auf den Iran niederregnen lassen könne. Zu diesem Zeitpunkt sind laut Berichten 1.000 Zivilisten den Bombardierungen zum Opfer gefallen.

Am 7. März 2026 droht US-Präsident Donald Trump dem Iran mit der völligen Zerstörung:

"Today Iran will be hit very hard! Under serious consideration for complete destruction and certain death, because of Iran's bad behavior, are areas and groups of people that were not considered for targeting up until this moment in time," 

Die Angriffskoalition hat eine Ölraffinerie in Teheran beschossen, das US-Magazin Forbes berichtet am 8. März von schwarzem „toxischem“ Regen, der über der Hauptstadt niedergehe.

Das traditionsreiche, linksliberale US-Magazin The Nation spricht am 10. März 2026 angesichts der massiven Zerstörung der zivilen Infrastruktur von „America´s Gaza“.

Währenddessen diskutieren anglo-amerikaninische Medien seit Beginn der „Kampagne“, ob ein Bürgerkrieg im Interesse der Angriffskoalition sein könne.

Die Washington Post kommt am 6. März zu folgendem Schluss:

An Iranian civil war is not in America’s interest.
Israel may welcome the chaos of regime collapse. The United States and its allies cannot.

Die Financial Times zitiert am 4. März einen israelischen Sicherheitsexperten diesbezüglich wie folgt:

“If we can have a coup, great. If we can have people on the streets, great. If we can have a civil war, great. Israel couldn’t care less about the future . . . [or] the stability of Iran.

Die vierte Frage:

4. Wer hat den Artikel geschrieben

Mahtab Gholizadeh ist eine Journalistin aus dem Iran. Geboren wurde sie am 6. April 1988. Mittlerweile lebt sie im Berliner Exil. Der Tagesspiegel schreibt über den Schmerz, den sie empfindet, seit sie ihre Heimat verlassen musste:

16 Jahre lang hat sie als Journalistin gearbeitet. Sie floh aus dem Iran, um Gefängnis und Folter zu entkommen, und hoffte, in Freiheit schreiben zu können. Doch nun ist der eigentliche Sinn ihres Lebens verschwunden. Nur ein toter Traum fällt leise in sich selbst zusammen. 


Für die Gründe ihrer Flucht zitiere ich die entschprechende Passage aus der Wikipedia in Gänze:

On 7 August 2021, the Islamic Revolutionary Guard Corps' agents intruded forcibly into Mahtab Gholizadeh's house. 
They investigated the apartment and captured her passport, cellphone, laptop, recorder, phonebook, external hard, and notes.
Simultaneously, she was summoned to Evin's judicial court. After, she was interrogated several times in the Islamic Revolutionary Guard Corps' office.
Eventually, with the accusations of "propaganda against the state," "endangering national security" for having interviews with the foreign media, and "spread of corruption and prostitution" for her effort for achieving the permission of entrance of Iranian women in sports stadiums, she was arrested. She was temporarily released with Rls.10 billion bail.

Ich sehe keinen Grund, das in Zweifel zu ziehen.

Aus ihrer persönlichen Sicht kann ich verstehen, dass sie keinen anderen Weg sieht, die Islamische Republik loszuwerden, als durch militärische Hilfe von außen. Aus objektiver Sicht kann ich es angesichts der Umstände in keiner Weise unterstützen und würde so einen Artikel nie veröffentlichen.

Anmerken möchte ich, dass ich die Meinung der in dem Artikel zitierten jungen Iraner nicht für repräsentativ halte. Ich kann es mir schlichtweg nicht vorstellen und fänd es angesichts der massiven Zerstörungen, die dieser Krieg verursacht, für nahezu „surreal“, um Mahtab Gholizadeh zu zitieren.

Abgesehen davon gibt es hochkarätige Stimmen wie Vali Reza Nasr, Professor an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies in Baltimore, die ein anderes Bild zeichnen.

Dieses in jeder Hinsicht instruktive Interview möchte ich ausdrücklich empfehlen.

(Siehe auch hier, hier, hier, hier und hier, wobei nicht ganz klar ist, woher das Video stammt, aber es scheint authentisch.)

5. Warum hat Mahtab Qolizadeh den Artikel geschrieben

Meine kurze Antwort lautet: wahrscheinlich aus purer Verzweiflung, oder aus falscher Hoffnung.

6. Wo ist der Text erschienen

Die ehemals friedensbewegte taz genießt ein hohes Ansehen im deutschen Blätterwald. Sie wird von drei Chefredakteurinnen verantwortet, womit sie sich ausdrücklich rühmt: „Die taz hat damit als einziger deutscher Presseverlag ein rein weibliches redaktionelles Führungstrio.“

Die taz distanziert sich an keiner Stelle von dem Text, im Sinne von: „Wir drucken diesen Artikel als Meinungsstück ab. Die Meinung der Autorin muss nicht unbedingt der Blattlinie entsprechen.“

Die taz trägt die volle Verantwortung für die Wirkung, die dieser Text entfaltet.

Sie macht mit diesem Artikel Kriegspropaganda für die Angriffskoalition und gibt ihr explizit einen Freibrief, den Iran bis zur endgültigen Befreiung in Schutt und Asche zu bomben. Ferner gibt sie der Angriffskoalition implizit einen Freibrief, den Iran in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Dafür benutzt sie eine verzweifelte Iranerin aus dem Exil, die sich offensichtlich nicht anders zu helfen weiß.

Meine Benotung für die Entscheidung der taz, diesen Artikel zu veröffentlichen, lautet: Sechs minus. Setzen!

Eigentlich würde ich aber lieber Mahtab Qolizadeh in den Arm nehmen und weinen.

***

Kann diese Nachricht stimmen?

„Am 11. März 2026 fuhr Donald Trump ein Schreck in die Glieder, weil im Garten des Weißen Hauses eine iranische Drohne einschlug“

Im Journalismus – zumindest im anglo-amerikanischen – gibt es die berühmten fünf „W“, die garantieren sollen, dass Reporter ihre Geschichte richtig aufbauen und möglichst nah an den Fakten bleiben. Auch auf Deutsch fangen all die Wörter mit W an.

Hier sind sie:

wer (who)

was (what)

wann (when)

wo (where)

warum (why)

Um es in einen Satz zu bringen:

Wer hat was gemacht, wann ist es geschehen, wo ist es geschehen und warum ist es geschehen.

Hier ein fiktives (!) Beispiel:

„Am 11. März 2026 (wann) fuhr US-Präsident Donald Trump (wer) ein Schreck in die Glieder, weil (warum) im Garten des Weißen Hauses (wo) eine iranische Shahid-Drohne einschlug (was).“

Es geht bei diesen fünf W also auschließlich um das Ereignis, über das berichtet wird.

Ich möchte diese fünf W nun in anderer Weise benutzen, um Lesenden (im Gegensatz zu nicht-Lesenden) zu ermöglichen, Nachrichten, Kommentare und Reportagen besser auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen bzw. sich die Frage zu stellen, was für eine Wirkung diese Texte auf ihre Konsumenten haben könnten bzw. welche Wirkung sie möglicherweise haben sollen.

Ich werde die fünf W nicht auf das Ereignis anwenden, über das berichtet wird, sondern ich werde mich auf den Autor bzw. die Autorin konzentrieren, die einen Text verfasst hat sowie auf das Medium, in dem dieser Text erschienen ist.

Ganz wichtig: Zu den fünf W kommt ein weiteres W hinzu, nämlich das wie.

In einem Satz lautet die Matrix wie folgt:

Wer hat was geschrieben, wann hat er/sie es geschireben, warum hat er es geschrieben, wie hat er es geschrieben, wo ist der Text erschienen.

Die sechs W haben bei dieser Art von Analyse meist eine andere Funktion als die fünf W, die im klassischen Journalismus auf die Berichterstatung von Ereignissen angewendet wird.

Wer: Das wer stellt die Frage, welche fachliche, berufliche und eventuell persönliche Legitimation bzw. Motivation ein Autor haben könnte, um gerade diese Geschichte zu schreiben.

Was: Das was stellt die Frage, was der Autor geschrieben hat, es entspricht weitgehend der Funktion bei den fünf klassischen W.

Wann: Das wann stellt die Frage, in welchem zeitlichen und politischen Kontext der Autor seinen Text geschrieben hat.

Es macht einen Unterschied, ob ich am 11. März 2026 schreibe, eine iranische Drohne sei im Weißen Haus eingeschlagen, oder ob ich es am 11. März 2017 geschrieben haben würde. Im ersten Fall könnten Leser geneigt sein, mir zu glauben, im zweiten Fall würden sie aller Wahrscheinlichkeit nach gesagt haben: „Hat der zu heiß gebadet?“

Warum: Das warum stellt die Frage nach der Motivations des Mediums, den Artikel zu veröffentlichen, erst in zweiter Linie stellt es die Frage, was den Autor oder die Autorin bewegt haben könnte.

Wie: Das wie geht näher auf die Wortwahl ein, die seeeeehr entscheidend ist! Es macht einen Unterschied, wie ich was schreibe. Ein Beispiel:

„Das islamische Mullah-Regime dementierte umgehend, dass die Shahid- Drohne aus dem Iran abgeschossen wurde.“

„Ein iranischer Regierungssprecher dementierte umgehend, dass die Shahid- Drohne aus dem Iran abgeschossen wurde.“

Wo: Das wo stellt die Frage, in welchem Medium der Artikel erschienen ist.

Es macht einen Unterschied, ob die New York Times berichtet, die CIA habe in Syrien islamistische Terroristen mit Geld und Waffen versorgt, als wenn es die Junge Welt macht. Im ersten Falle ist die potenzielle Wirkung hoch, im zweiten Falle wird sie außerhalb bestimmter Kreise gen null tendieren.

Ich werde nun einen Artikel aus der taz mithilfe dieser Matrix analysieren. Ich lade alle Leser und Leserinnen ein, sich den Artikel vorher durchzulesen. Wem es Spaß macht, der kann den Artikel selbst mithilfe dieser Matrix analysieren:

Wer hat den Artikel geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Legitimation.

Was hat sie geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Fakten.

Wann hat sie es geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Kontext.

Warum hat sie es geschrieben (spekulativ). Worum es geht: Motivation.

Wie hat sie es geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Wirkung.

Wo ist der Text erschienen (nicht-spekulativ). Worum es geht: Wirkung/Glaubwürdigkeit.

Meine eigene Analyse kommt dann morgen.

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Chinesische Flugzeugträger auf dem Weg ins Mittelmeer?

Die Menschenrechtslage im Nahen Osten ist gravierend. In mindestens zwei Ländern ist dringend ein Regime-Change angesagt.

Es folgen Auszüge aus dem Bericht von Amnesty International für das Jahr 2024, veröffentlicht im April 2025.

Ich habe vier Länder rausgesucht. Drei sind enge Partner der US of A sowie der Bananenrepublik Germäny:

Ägypten, Israel, Saudi-Arabien.

Das vierte Land ist der Iran.



Ich habe mir jeweils die fett gedruckte Zusammenfassung am Anfang jedes Landes durchgelesen und spontan das markiert, was mir am gravierendsten erschien. In den Auszügen, die ich hier reinstelle, markiere ich erneut fett, was ich darüber hinaus am schlimmsten finde.

Die Frage lautet: Gegen welches dieser Länder sollte zuerst Krieg geführt werden, um die Menschen von ihrem Leid zu befreien?

Meine Rangliste findet ihr unter den Auszügen, die ich nun in alphabetischer Reihenfolge dokumentiere.

Ägypten
Authorities released 934 prisoners held for political reasons but arrested another 1,594. Those targeted included journalists, lawyers, protesters, dissidents, opposition politicians and those critical of the government´s human rights record and handling of the economic crisis. 

Dozens of individuals were subjected to enforced disappearance (!). Torture and other ill-treatment remained routine (!).

Death sentences were imposed, including for crimes other than "intentional killing", after grossly unfair trials. Executions were carried out. Impunity prevailed for grave human rights violations committed in 2024 and previous years.

Women and girls, religious minorities and LGBTI individuals experienced discrimination, violence and prosecution for exercising their human rights.
Iran
Women and girls, LGBTI people, and ethnic and religious minorities experienced systemic (!) discrimination and violence. Authorities intensified their crackdown on women who denied compulsory veiling laws, the Bahai community, and Afghan refugees and migrants. 

Thousands were arbitrarily detained, interrogated, harassed and/or unjustly prosecuted for exercising their human rights. Trials remained systematically unfair.

Enforced disappearances (!) and torture and other ill-treatment were widespread and systematic. Cruel and inhuman punishments, including flogging and amputation (!), were implemented.

The death penalty was used arbitrarily, disproportionately affecting ethnic minorities and migrants.

Systemic impunity prevailed for past and ongoing crimes against humanity relating to prison massacres in 1988 and other crimes under international law.
Israel
Israel committed genocide in Gaza (!), including by causing some of the highest known death (!) tolls among children, journalists, and health and humanitarian workers of any recent conflict in the world, and deliberately (!) inflicting on Palestinians conditions calculated to bring about their physical destruction (!). 

Armed conflict with Lebanon caused civilian deaths and mass displacement.

Israel committed the crime of apartheid, including through the forcible transfer and displacement of Palestinians both in Israel and in the Occupied Palestinian Territory.

State-backed violent settlers enjoyed impunity while conscientious objectors were imprisoned. Hundreds of Palestinians were killed (!) in militarized arrest raids in the occupied West Bank.

Thousands of Palestinians were subjected to arbitrary detention and to ill-treatment, amounting to torture in many cases. The International Court of Justice´s instructions to avert genocide (!) and end illegal occupation were ignored.
Saudi-Arabien
Saudi Arabia carried out executions for a wide range of crimes, including drug-related offences. Courts sentenced people to death following grossly unfair trials. Women continued to face discrimination in law and practice. 

Meine Rangliste:

  1. Israel
  2. Iran
  3. Ägypten
  4. Saudi-Arabien

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Eine Atombombe könnte den Prozess verkürzen

Westliche Strategen planen einen langsamen Kollaps der Islamischen Republik Iran. Haben sie sich verkalkuliert?

Im Nebel des Krieges ist es oft schwer, die wahren Ziele der Kontrahenten zu erkennen, zumal wenn auf der einen Seite die Vereinigten Staaten von Amerika stehen (wie fast immer in diesem Jahrhundert).

Beim vollumfänglichen Angriffskrieg der USA auf den Irak im Jahre 2003 ging es erst darum, die nichtexistenten Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein zu eliminieren, später ging es darum, den dschihadistischen Terrorismus zu bekämpfen, der durch den amerikanischen Angriffskrieg existent geworden war.

Die Rettung unterdrückter muslimischen Frauen spielt meist auch eine Rolle, wenn die Entsendung von Flugzeugträgern und anderem Kriegsgerät gerechtfertigt werden soll.

Im Falle des Iran, der am 28. Februar 2026 von den USA und Israel in einem „Präventivschlag“ angegriffen wurde, scheint die Sache klarer zu sein: Sehr wahrscheinlich geht es um die langsame, möglicherweise sich Jahre hinziehende Zerstörung des Landes, ohne dass die USA ihre Soldaten riskieren müssen.

Ob das gelingen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Nicht alle Experten in Deutschland stimmen mir zu. So zum Beispiel Hasnain Kazim.

Laut Wikipedia erregte er „besondere Aufmerksamkeit“ durch seine „kritische Berichterstattung“ als Südasien- und Türkei-Korrespondent für SPIEGEL Online, ferner zeichne sich seine Arbeit durch „Engagement gegen Rassismus und Populismus“ aus.

Am Tag des Angriffskriegs auf den Iran schreibt er folgende Analyse:


Der ehemalige FDP-Mann hofft also, dass die USA und Israel – dessen Armee als die „humanste“ der Welt gilt – die Menschen im Iran vor dem Mullah-Regime befreien werden. Die lang versprochene Hilfe sei da.

Um dagegen meine These zu untermauern, möchte ich zwei Texte referieren, die ebenfalls am Tag des Angriffskriegs von Autoren verfasst wurden, die durch Fachwissen besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben.

Zum einen handelt es sich um Yezid Sayigh, der zahlreiche akademische Posten in England bekleidete und heute „Senior Fellow“ am Carnegie Middle East Center in Beirut ist. Zum anderen um Hamidreza Azizi, der seit 2023 als Gastwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin arbeitet.

Beginnen wir mit Yezid Sayigh. Ausgangspunkt seiner Analyse ist die Aufforderung von US-Präsident Donald Trump an die „iranische Öffentlichkeit“, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Wörtlich sagte Trump am 28. Februar 2026:

When we are finished, take over your government. It will be yours to take. This will be probably your only chance for generations.

Viele Beobachter, so Yezid Sayigh, interpretierten diese Aufforderung falsch. Sie glaubten, den USA ginge es um „Regime Change“ im Iran, doch das Gegenteil sei der Fall: Indem er den Sturz der Islamischen Republik in die Verantwortung der Iraner selbst lege, mache er genau das unwahrscheinlich.

Das Regime sitze fest im Sattel und würde auch dann überleben, wenn seine Führungsfiguren getötet würden:

Regardless of one’s view of the Iranian regime, it has deeply embedded paramilitary networks and a significant social constituency, who will very likely fight back against any domestic opponents even if the regime is decapitated.

Hinzu komme, dass die iranische Opposition im Land schlecht organisiert und nicht in der Lage sei, die Macht zu übernehmen, während die Opposition im Ausland zerstritten sei. Wenn Leute wie Reza Pahlevi, der Sohn des 1979 gestürzten Shahs, glaubten, sie würden eines Tages an Bord eines US-Flugzeuges als die neuen Führer im Iran einfliegen, so hätten sie sich getäuscht.

Das US-Militär werde das Land nicht besetzen, anders als im Irak 2003:

There will be no magic carpet ride for the Iranian exiles: the U.S. is not going to take physical control of Iran, which requires a massive commitment of ground troops, in order to hand power to them.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass Yezid Sayighs Szenario an Syrien in den Jahren 2011-12 erinnert, als ein Volksaufstand gegen das Baath-Regime begann und die USA wiederholt aufgefordert wurden, direkt einzugreifen.

Auch damals bemängelten Experten, dass die interne Opposition schlecht organisiert sei und einem formidablen Sicherheitsapparat gegenüberstünde, der bis zum bitten Ende kämpfen werde; zudem sei die Opposition im Ausland zerstritten.

Es gibt entscheidende Unterschiede zwischen dem Iran und Syrien, zum Beispiel die Bevölkerungsgröße, die strategische Tiefe sowie die militärische Stärke des Iran. Trotzdem kann die Parallele dabei helfen zu verstehen, in welche Richtung die aktuelle US-Strategie wahrscheinlich geht: nämlich in eine über Jahre hin andauernde Zermürbung des Regimes, bis es in sich zusammenfällt.

Klar ist: Wenn das gelingt, werden Ströme von Blut fließen und Millionen Menschen auf die Flucht gehen.

In Syrien gelang dieser Zermürbungsprozess durch den Einsatz dschihadistischer Terroristen und anderer bewaffneter Kräfte, die vom Westen und seinen Partnern in der Region unterstützt wurden.

Es dauerte fast 14 Jahre, bis diese Kräfte den Sieg der syrischen Revolution deklarieren konnten – mit Abu Muhammad al-Julani an ihrer Spitze, dem Führer des Qaida-Netzwerks in Syrien. Vom Irak aus wurde er im August 2011 in seine Heimat geschickt, um das Netzwerk aufzubauen und den bewaffneten Kampf zu organisieren. Heute fungiert er unter dem Namen Ahmad al-Sharaa als Präsident des Landes.

Wörtlich sagte Abu Muhammad al-Julani am 8 Dezember 2024:

We continue to work with determination to achieve the goals of our revolution … We are determined to complete the path we started in 2011.

Für den Iran sieht Yezid Sayigh ein anderes Szenario am Horizont: Die permanente Bombardierung durch die USA und Israel werden aus dem Land einen Failed State machen, der – so die offensichtiche Kalkulation – keine Gefahr mehr für den Westen darstellen wird:

U.S. military action could degrade the Iranian regime’s ability to control its population and govern the country to the point where it breaks down. 
(..)
Coupled with an already parlous economic situation, water scarcity, and socio-political polarization, this will leave Iran looking more like any one of a number of countries in chronic post-conflict breakdown—Afghanistan post-US withdrawal, Syria in Assad’s final years, and Libya and Yemen post-2014 all come to mind—than post-2003 Iraq.

Wichtig sei es zu verhindern, dass der Iran seine Abschreckungsfähigkeiten nach dem Ende der Bombardierungen wieder erlangt. Das könne zum Beispiel dann garantiert werden, wenn eine „gefügige Elite“ aus den Ruinen des Irans erwächst, die bereit ist, nachweislich das Atomwaffenprogramm aufzugeben (wenn es denn existiert…) und verbindlich erklärt, keine Mittelstreckenrakten mehr produzieren zu wollen.

Ansonsten schlägt Yezid Sayigh vor, den Iran über Jahre hinweg immer wieder zu bombardieren, so wie es die USA mit dem Irak zwischen 1991 und 2003 gemacht haben:

Failing that, the U.S., and possibly Israel or other Western allies, would conceivably selectively attack Iranian military facilities for years to come, much as they did in Iraq in 1991-2003 or as Israel has done against Hezbullah in Lebanon since their “big war” ended in November 2024.

Die Analyse von Hamidreza Azizi geht in eine ähnliche Richtung. Die ersten Angriffswellen der USA und Israels legten nahe, so der Autor, dass die militärischen Kapaziäten des Irans möglichst schnell zerstört werde sollten.

Ferner sollten diese Angriffswellen dafür sorgen, dass das Regime seine Kontrolle über das Land verliert. Beides würde den Weg eröffnen, um anschließend permanent militärisch Druck ausüben zu können:

The available evidence suggests that the operation is not designed as a limited punitive action intended to impose temporary costs. Rather, the targeting sequence and operational tempo point toward the opening phase of a structured campaign aimed at rapidly weakening Iran’s governing and military capacity, thereby creating conditions for sustained pressure in subsequent stages.

Der Angriff auf die Führungselite des Landes am ersten Tag müsse in diesem Licht gesehen werden, entsprechende Verlautbarungen aus den USA und Israel legten nahe, dass es darum geht, das Land in einen Schockzustand zu versetzen und zu paralysieren:

When viewed alongside the early focus on leadership and institutional nodes, these statements suggest that the campaign seeks to paralyze governance as much as to degrade military capability. In this sense, the operational design reflects an effort to create political shock.

Anders als Yezid Sayigh geht Hamidreza Azizi näher auf die geographische Verteilung der US-amerikanischen und israelischen Angriffe ein. Auffällig sei der Fokus auf den südlichen Iran. Das sei notwendig, um von dort die anschließenden dauerhaften Luftangriffe ungestört fliegen zu können:

From a military perspective, degrading defensive systems in southern regions would be a prerequisite for sustained air operations approaching from the Persian Gulf. The early focus on these targets therefore suggests that the current phase is preparatory rather than final. The war, in other words, appears structured to unfold sequentially rather than through a single overwhelming blow.

Ähnlich wie Sayigh stellt sich Hamidreza Azizi die Frage, was passiert, wenn das Regime nicht sofort kollabiert und eine anschließende, ungestörte Bombardierung des Landes unmöglich werde.

Dann, so seine Prognose, werde sich der Krieg regional und zeitlich ausdehnen, es werde ein „langwieriger Kampf“ um die Ordnung im Nahen Osten enststehen:

The central question now is whether the Islamic Republic can absorb the initial shock and maintain governing capacity. If it does, the war is likely to become longer, more regional, and far less predictable than its architects may have intended. The coming days will therefore determine whether this conflict evolves into a short campaign of regime collapse or the beginning of a protracted struggle reshaping the Middle Eastern order.

Drei Tage nach Beginn der Operation „Epic Fury“ scheint sich die Sorge der beiden Autoren zu bestätigen: Trotz der Ermordung von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei und zahlreicher anderer Führungsfiguren des Regimes gleich am ersten Tag, feuert der Iran weiter Raketen in Richtung Westen.

Israel und die Golfstaaten, aber auch US-Basen in der Region, sind die Ziele.



Der Ausgang ist ungewiss, die Lage besorgniserregend. Denn die „messianische“ Führung in Israel könnte geneigt sein, Atomwaffen einzusetzen, um den Prozess zu verkürzen oder den eigenen Kollaps zu verhindern.

Aber so weit sind wir noch nicht.

Das war´s für heute. Als geübter SPIEGEL-Leser weiß ich, dass man an dieser Stelle immer an den Anfang der Geschichte zurückkommen sollte.

Deswegen schauen wir noch einmal darauf, was der ehemalige FDP-Mann Hasnain Kazim zu den weiteren Entwicklunge zu sagen hat.

In einem Posting auf Facebook bietet er folgenden Nachruf auf den getöteten Revolutionsführers Ayatollah Khamenei an:


Wir stellen fest: Wieder ist es ihm gelungen, Aufmerksamkeit für seine kritische Berichterstattung und sein Engagement gegen Rassismus und Populismus zu gewinnen.

Die westliche Hilfe für die Menschen im Iran kommt bestimmt, und sei es in 3, 5 oder 10 Jahren.

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Ein Tag, ein Interview

NATO-Generalsekretär Rutte betont: „Wir brauchen eine Demonstration amerikanischer Macht auf der Weltbühne“

Am 20. Juni 2025, ein Tag vor dem US-amerikanischen Angriff auf die Islamische Republik Iran, veröffentlichte die New York Times eine Analyse, in der sie erklärte, dass ein Krieg gegen den Iran die Schwäche Chinas und Russlands offen legen würde.

Beide seien nicht in der Lage, ihren Alliierten im Nahen Osten vor dem US-Militär zu schützen (siehe hier).

NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat das Ergebnis dieser Analyse nun in einem Interview mit dem US-Sender Newsmax am 25. Juni 2025 bestätigt.

Auf die Frage, was die größte Bedrohung für die NATO sei, sagte er:

The largest threat, at present, clearly, is Russia. There's no doubt. But we are all very worried about North Korea now fighting in Europe, a war, the Russians against Ukraine. 

We see China, which is massively building up its military capabilities. They have now the same amount of ships sailing as the US. They will have 1000 nuclear warheads by 2030. 

Of course, we have the mullahs in Iran and we know what they're up to. And Iran, North Korea, China are supporting Russia in the war effort against Ukraine. So this is all interconnected.

Russland sei die größte Gefahr, wegen des Krieges in der Ukraine, aber auch Nordkorea und der Iran, die Russland unterstützen würden. China rüste massiv auf und stünde ebenfalls an der Seite Russlands, alles sei miteinander verbunden.

Aus diesem Grund, so Rutte, begrüße er es, dass die USA ihre militärische Stärke beim Angriff auf den Iran gezeigt hätten, diese Botschaft werde in Moskau und Peking sicher verstanden werden:

I think what happened now is Iran is projecting American power on the world stage, saying, here's a president who has the strength to do what is necessary. He's willing to use it, but in a very measured way. But this is a signal. 

If I was in Beijing or in Moscow, Putin, I would be sitting there and seeing that footage [and] I would not be happy. I would think, okay, they are really serious, these Americans. And this is exactly what we need: Projecting American power on the world stage.

Der letzte Satz verdient gesonderte Beachtung. Auf Deutsch lautet er:

Und das ist genau das, was wir brauchen: Eine Demonstration amerikanischer Macht auf der Weltbühne.

Darum geht es also: Um eine Demonstration der Macht. Es gilt, die Ambitionen Chinas, Russlands und anderer aufmüpfiger Staaten des Südens (den BRICS) mit militärischer Gewalt zu arrestieren.

Interessant ist der Sender, dem der NATO-Generalsekretär sein Interview gab. Über Newsmax steht bei Wikipedia:

Newsmax gilt als rechtskonservativ, rechtspopulistisch, dabei verbreitet es [sic] auch verschwörungstheoretische Nachrichten.

Man darf die Hoffnung hegen, dass Correctiv oder ein anderer politisch eingewiesener Watchdog den Umstand, dass der NATO-Generalsekretär mit Verschwörungstheoretikern Umgang pflegt, möglichst bald skandalisieren wird.

Ist doch laut Correctiv die Verbreitung rechtspopulistischer Verschwörungstheorien eine sehr gefährliche Sache!

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Ein Tag, ein Artikel

Krieg ist wie Terrorismus: Er soll dem Feind zeigen, dass er schwach ist

Am 20. Juni 2025 veröffentlicht die New York Times einen Artikel unter folgender Überschrift:

A U.S. Attack on Iran Would Show the Limits of China’s Power

Untertitel:

China, which depends on Iran for oil and to counter American influence, has a lot to lose from a wider war. But there’s not much it can do about it.

Ein Angriff der USA auf den Iran, sagt die Zeitung, würde China seine Grenzen aufzeigen, weil es nicht in der Lage sei, einen seiner wichtigsten Partner in der Region zu schützen. China, der einzige wirkliche Rivale des US Empires, wäre demnach einer der großen Verlierer, sollte es zum Äußersten kommen.

Einen Tag später beginnt das Pentagon mit der Bombardierung der Islamische Republik Iran.

Das Timing des Artikels in der New York Times, dem wichtigsten Blatt im Land, macht deutlich, dass es bei diesem Angriffskrieg nicht nur um den Iran geht, sondern um das große Ganze. China breitet sich auf dem eurasischen Kontinent aus, es hat enorme geopolitische Ambitionen, die die USA mit aller Macht unterbinden wollen.

Ein Mittel auf diesem Weg ist die Zerstörung von Ländern, die in den chinesischen Plänen eine zentrale Rolle spielen. Dazu gehört der Iran. Bei der chinesischen Belt and Road Initiative (BRI), die den eurasischen Kontinent auf dem Land- wie Seewege verbinden soll, bildet das Land einen wichtigen Knotenpunkt. Wenn es ins Chaos stürzt, stockt auch die BRI.

Die New York Times führt weitere Gründe an, warum China im Falle eines Krieges der Verlierer sein könnte:

China has much to lose from a runaway conflict. Half of the country’s oil imports move in tankers through the Strait of Hormuz on Iran’s southern coast. And Beijing has long counted on Tehran, its closest partner in the region, to push back against American influence.

But despite those strategic interests, China, which has little sway over the Trump administration, is unlikely to come to Iran’s defense militarily, especially if the United States gets involved.

Genüsslich zitiert die Zeitung einen Experten des extrem bellikosen Think Tanks American Enterprise Institute, der schon bei der Ausarbeitung des War in Terror eine wichtige Rolle spielte:

“The reality is they don’t actually have the capability to insert Chinese forces to defend Iran’s installations,” said Zack Cooper, a senior fellow at the American Enterprise Institute in Washington. “What they would prefer to do is very quietly provide some material support, some rhetorical support and maybe some humanitarian aid.”

Ein anderer Experte aus dem Lager von Ex-Präsident Joe Biden stimmt dem zu:

“Beijing is scrambling to keep up with the rapid pace of events and is prioritizing looking after Chinese citizens and assets in the region rather than any sort of broader diplomatic initiative,” said Julian Gewirtz, who was a senior China policy official at the White House and the State Department during President Joseph R. Biden Jr.’s administration.

Die New York Times stellt zurecht fest, dass weder China noch Russland seinen Partnern in der Region zur Seite springt:

China’s tempered response resembles that of its like-minded partner, Russia, which has done little more than issue statements of support for Iran, despite having received badly needed military aid from Tehran for its war in Ukraine. Both Beijing and Moscow were also seen as bystanders last year when their shared partner, the Assad regime, was overthrown in Syria.

Die Zeitung wertet das als Schwäche:

Their relative absence raises questions about the cohesiveness of what some in Washington have called the “Axis of Upheaval” — the quartet of China, Russia, Iran and North Korea, which have drawn closer diplomatically and militarily around a common opposition to the U.S.-dominated world order.

Wenn wir die Kriege im Nahen Osten aus dieser geopolitischen Perspektive betrachten, so hat Bundeskanzler Friedrich Merz durchaus Recht, wenn er sagt: Israel erledigt die „Drecksarbeit“ des Westens.

Alleine ist das kleine Land mit dem ganzen Dreck allerdings überfordert, zumal der Iran ein größerer Happen ist als Syrien oder der Libanon. Folgerichtig fordert die Jerusalem Post Donald Trump am 18. Juni 2025 auf, zur Tat zu schreiten:

Siehe dazu auch hier.

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„Ein Bürgerkrieg ist möglich“

Die Zerstörungsphantasien anglo-amerikanischer und israelischer Strategen

Am 18. Juni 2025 wendet sich die Jerusalem Post mit einem Appell an Donald Trump:

Mr. President, this extreme theocracy needs to fall. Make its destruction as explicit a policy as the defeat of Nazi Germany or Saddam Hussein’s Iraq.

Die israelische Zeitung vergleicht also die Islamische Republik Iran mit Nazi Deutschland sowie Saddam Husseins Irak und fordert dessen Vernichtung.

Von Bedeutung ist vor allem der zweite Vergleich. Denn der US-amerikanische Angriffskrieg auf den Irak im März 2003 hatte nicht nur den Sturz des Diktators zur Folge, sondern führte zur Zersplitterung des Landes entlang ethnischer und religiöser Identitäten. Unfassbare Blutbäder fanden statt, an denen schiitische wie sunnitische Extremisten beteiligt waren. Der Irak als Nationalstaat existiert seitdem nicht mehr.

Das bedeutet für Israel wie die USA: ein feindlicher Staat weniger. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass der Iran seitdem enorm an Einfluss im Irak gewonnen hat und diverse Milizen kontrolliert. Ein zersplittertes Land, dass jederzeit Gefahr läuft, in einen Bürgerkrieg zu verfallen, stellt keine vergleichbare Bedrohung dar wie ein (halbwegs) funktionierender, moderner Nationalstaat mit einer nationalistischen Ideologie.

Die Phantasie, nahöstliche Staaten bzw. Gesellschaften entlang ihrer religiösen und ethnischen Unterschiede zu zersplittern, ist tief in der Psyche israelischer wie anglo-amerikanischer Strategen verankert.

Sie glauben damit, den Nahen Osten besser kontrollieren zu können, aus den genannten Gründen: Ein zerstückelter Staat ist leichter zu manipulieren als ein funktionierender Nationalstaat, der die gesellschaftliche Heterogenität im Zweifelsfall durch ein hartes Geheimdienstregime im Zaum hält.

Hinzu kommt die Traumatisierung durch das massenhafte Blutvergießen, das mit dem Zersplitterungsprozess einhergeht. Es führt dazu, dass die davon betroffenen Gesellschaften auf lange Sicht kein Interesse mehr haben können, sich mit Israel und/oder den USA anzulegen

Tatsächlich hatten (und haben) Israel wie die USA Erfolg mit dieser Strategie – nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien und in abgewandelter Form in Libyen, wo regionale statt ethnische/religiöse Animositäten ausgenutzt wurden, um den Staat zu zerstören.

Nun ist der Iran an der Reihe. Zumindest ist das die Phantasie israelischer und anglo-amerikanischer Strategen.

Die Jerusalem Post kleidet das kommende Blutvergießen – wenn der Plan denn gelingt – natürlich in freundliche Worte. Denn die westliche Öffentlichkeit liest mit und kann sich für diese Art von Regime Change nur erwärmen, wenn er für eine „gute“ Sache ist. Anders ausgedrückt: Wenn es um die „Befreiung“ unterjochter Völker geht.

Die Zeitung fordert Donald Trump deswegen auf:

Forge a Middle East coalition for Iran’s partition. Encourage long-term plans for a federalized or partitioned Iran, recognizing that Khamenei’s theocratic regime cannot be reformed. Offer security guarantees to Sunni, Kurdish, and Balochi minority regions willing to break away.

Minderheiten sollten ermutigt werden, aus dem iranischen Nationalstaat auszubrechen, Donald Trump möge eine nahöstliche Koalition schmieden, die zur „Teilung“ des Irans führt.

Drei Tage später, am 21. Juni 2025, erscheint die britische Zeitung The Economist (sie nennt sich selbst „newspaper“, obwohl sie wöchentlich erscheint). Sie gehört zu den wichtigsten Leitmedien auf dem Globus, mit einer Tradition, die bis ins Jahr 1843 zurückreicht. Der Economist gibt Trends vor und entwirft auch langfristige Szenarien, die mitunter Realität werden.



Dieses Heft ist dünn, es umfasst gerade 78 Seiten und kostet schlappe 12.99 €. Jede elfte Seite ist dem Krieg gegen den Iran gewidmet. Es geht also um die Wurst.

Der Economist ist verhalten optimistisch, was die Chancen betrifft, die Islamische Republik in die Knie zu zwingen. Gleichzeitig beschreibt er etwas weniger idealistisch als die Jerusalem Post, was dem Land und seinen Nachbarn möglicherweise bevorsteht.

In dem Artikel „Decisive attack, unknown result“ steht folgendes Szenario:

Iran could splinter, with ethnic separatists causing trouble near its borders with Iraq, Pakistan and Turkey. Or the clerical regime could give way to a military one, which might be tempted to make a clandestine dash for a nuclear bomb in order to deter future attacks. In the first scenario, Iran would come to resemble Libya; in the second it would be North Korea. Neither is an appealing choice for its neighbours.

In dem Artikel „Rotten or robust?“ (online nicht verfügbar) phantasiert der Economist erneut von einem Bürgerkrieg, als wolle er klar stellen, wohin die Reise geht:

Separatists may resurface in Kurdish and Azeri provinces, as they did aufter the shah´s fall. A civil war is possible, as in Syria and Iraq: a prospect that terrifies many Iranians.

Ein Bürgerkrieg sei „möglich“, so wie er in Syrien und dem Irak stattfand. Das versetze viele Iraner in Angst und Schrecken.

Diese Angst sollte jeder Beobachter, der ein Fünkchen Empathie für die Menschen in dem Land übrig hat, ernst nehmen und inständig hoffen, dass sich die Phantasien anglo-amerikanischer und israelischer Strategen diesmal nicht bewahrheiten.

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Syrien: Das „versteckte Massaker“ (Teil 1)

Eine „friedliche“ Revolution mit hunderten Toten (März 2011 bis Sepember 2011)

Im Dezember 2024 eroberten verschiedene Milizen, angeführt von Hayat Tahrir al-Sham, dem ehemaligen syrischen Arm des Terrornetzwerkes al-Qaida, die Großstädte Syriens und brachten das Baath-Regime nach 60 Jahren Herrschaft zum Einsturz.

Seitdem wartet die Welt gespannt darauf, was passiert. Die „eingefrorene Revolution“ , wie sie ein deutscher Fachmann nannte, ist aufgetaut und muss nun zeigen, wes Kind sie ist.

Die Tatsache, dass Dschihadisten an den Hebeln der Macht sind – sie verfügen über die Kanonen, nicht die Zivilgesellschaft – lässt Spielraum für Skepsis. Denn innerhalb des transnationalen Dschihadismus ist insbesondere der syrische von einem virulenten Hass gegenüber heterodoxen islamischen Minderheiten geprägt, darunter den Alawiten, zu denen auch Ex-Präsident Bashar al-Assad gehört. Die entscheidende Stütze des Baath-Regimes war zudem ein sadistischer Sicherheitsapparat, in dem vielfach alawitische Offiziere die Strippen zogen.

Die Furcht vor Vergeltungsmaßnahmen gegen die alawitische Minderheit standen also seit dem „Sieg der großen syrischen Revolution“ im Raum. Zurecht, wie sich schnell herausstellte, auch wenn die Angriffe auf Alawiten und andere Minderheiten in den westlichen Medien zunächst kaum beachtet wurden.

Das änderte sich Anfang März 2025, als hunderte, wenn nicht tausende alawitische Zivilisten im Nordwesten des Landes von dschihadistischen Kämpfern getötet wurden.

Ein Bericht der Tagesschau vom 10. März 2025 trägt den Titel: „Massaker an Zivilisten in Syrien. Die Angst der Alawiten.“

Wir nehmen diese Entwicklung zum Anlass, uns noch einmal im Detail den Ursprung der „Syrischen Revolution“ anzuschauen. Denn diese Revolution ist von zahlreichen Mythen umrankt, die es zu hinterfragen gilt.

In den folgenden Woche stelle ich hier Artikel ein, die Teil eines Buchprojektes sind, das sich über Jahre hin entwickelt hat und im Jahre 2026 zum Abschluss kommen wird..

In dem Buch geht es darum, wie westliche Geheimdienste und militärische Spezialeinheiten Extremisten für ihre Zwecke einsetzen. Syrien ist nur ein Beispiel von vielen, allerdings eines, das so gut dokumentiert ist wie kaum ein anderes.

Es folgt nun Teil 1 des Kapitels: „Syrien: Das „versteckte Massaker“.“

Die Buchteile, die ich hier reinstelle, sollen 10.000 Zeichen nicht überschreiten, damit die Augen der Leser nicht vor dem Ende zufallen.


Kristin Helberg ist Politikwissenschaftlerin und arbeitete sechs Jahre beim NDR in Hamburg, im Jahre 2001 ging sie nach Damaskus, „wo sie lange Zeit die einzige offiziell akkreditierte westliche Korrespondentin war“.

Sie blieb bis 2008 und berichtete für Rundfunk, Print und Fernsehen. Ihre Artikel etwa in der taz geben wertvolle – und differenzierte – Einblicke in eine Zeit, als syrische Oppositionelle noch mit friedlichen Mitteln versuchten, Veränderungen herbeizuführen, aber regelmäßig von dem Baath-Regime ausgebremst wurden. Kristin Helberg gilt nicht zu Unrecht „als eine der besten Syrien-Kennerinnen im deutschsprachigen Raum“.

Als im März 2011 der Aufstand in Deraa losbrach, wandelte sich die Journalistin zu einer scharfen Regimekritikerin, die seitdem kein grau mehr kennt. Für sie gibt es nur noch unschuldige Revolutionäre auf der einen und das böse Regime auf der anderen Seite. Die verdeckte Kriegsführung des Westens existiert bei ihr nicht, sehr wohl aber halbherzige Politiker aus Washington und Brüssel, die die Revolution im Stich gelassen hätten.

Durch zahlreiche Interviewauftritte in sämtlichen Medien sowie eigene Berichte und Bücher hat Kristin Helberg den Blick der deutschen Öffentlichkeit auf Syrien entscheidend mitgeprägt.

Zur Anschauung zitiere ich einige Passagen aus einem Aufsatz, den der Rowohlt Verlag im Jahre 2015 von ihr veröffentlichte. Sie stehen prototypisch für das Konsensnarrativ, das sich in deutschen Qualitätsmedien zur syrischen Tragödie im Laufe der Zeit entwickelte, sie könnten in dieser oder ähnlicher Form in jeder Zeitung stehen.


Foto: A. Metzger

Im Zentrum des Konsensnarrativs steht die mantrahaft vorgetragene Behauptung, der Aufstand gegen das Baath-Regime sei rein friedlicher Natur gewesen. Gewalt hätten nur Bashar al-Assad und seine Schergen angewendet.

Die Polititkwissenschaftlerin schreibt:

„Für Assad sind die Demonstranten von Anfang an Terroristen und ausländische Agenten. Um diese Propaganda wahr werden zu lassen, entlässt er Dschihadisten aus dem Gefängnis, schürt konfessionellen Hass und schickt Provokateure des Geheimdienstes, um den Aufstand in ein schlechtes Licht zu rücken.“ (S. 58.)

Das klingt nach Verschwörungstheorie, jedenfalls liefert sie weder Indizien noch Beweise. Lassen wir es zunächst so stehen.

Für den hässlichen Dschihad in Syrien – Stand: Herbst 2015 – hat sie folgende Erklärung:

„Viereinhalb Jahre lang hat das syrische Regime alles dafür getan, radikale Islamisten zu seinem mächtigsten Feind zu machen. Assads `Terroristen´waren aufmüpfige Schulkinder, Plakate malende Aktivisten, friedliche Demonstranten, Medikamente schmuggelnde Frauen, Journalisten, Ärzte und Sanitäter, christliche Filmemacher, alawitische Deserteure und national gesinnte Kämpfer. Diese gemäßigten Kräfte hat Assad mit größtmöglicher Brutalität bekämpft, während er die ab 2013 ins Land strömenden Dschihadisten geduldet, geschont und sogar gestärkt hat.“ (S. 64.)

Kristin Helberg verneint also die Möglichkeit, dass Islamisten und Dschihadisten von Beginn an Teil des Aufstandes gewesen sein könnten; sie nennt es eine fixe Idee des Regimes, das damit die „gemäßigten Kräfte“ in ein „schlechtes Licht“ hätte rücken wollen. Wichtiger noch: Sie verneint die Möglichkeit, dass „ausländische Agenten“ eine Rolle gespielt haben könnten, sie hält auch das für ein Hirngespinst des syrischen Sicherheitsapparates.

Bedeutsam ist ihre apodiktisch vorgetragene Behauptung, dass das Regime bewusst „konfessionellen Hass“ gesät hätte, um den Aufstand erst zu radikalisieren und dann militärisch bekämpfen zu können.

Schließlich verdient ein Datum unsere Aufmerksamkeit: Kristin Helberg schreibt allen Ernstes, dass Dschihadisten erst seit 2013 ins Land „strömten“ und dann von Bashar al-Assad „geduldet, geschont und sogar gestärkt“ wurden!

Wie sie auf diese Idee kommt, bleibt bis auf Weiteres ein Mysterium…


Januar 2012: al-Qaida kündigt Selbstmordattentate in Syrien an. Foto: A. Metzger @Daily Telegraph

In den folgenden Kapiteln werde ich zeigen, dass kritische Beobachter geneigt sein könnten, die Entwicklung des syrischen Konflikte anders darzustellen als Kristin Helberg.

Ich werde das anhand einer Fülle von Material machen, das im Prinzip aus drei Elementen besteht: Zum einen aus Berichten und Analysen, die veröffentlicht wurden, während sich der Konflikt entwickelte. Sie geben das wieder, was jeder – zumindest Fachleute – in Echtzeit darüber wissen konnte.

Zum zweiten handelt es sich um durchgestochene Texte amerikanischer Offizieller (E-Mails, vertrauliche Berichte) aus jenen Tagen, die deren unverblümte Sichte auf die Dinge zeigen.

Schließlich handelt es sich drittens um Texte, die den Konflikt – vor allem den scheinbar überraschenden Aufstieg des ISIS – rückwirkend betrachten und einordnen.

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