Das Thema

Sigmar Gabriel, bis März 2018 Außenminister der Bundesrepublik, gab der wichtigsten außenpolitischen Zeitschrift des Landes im Herbst 2021 ein interessantes Interview.


Ein Minigolf-Profi plaudert aus dem Nähkästchen.

Er sagte:

Wir stehen vor einem Zeitenwandel und inmitten tektonischer Verschiebungen der Machtachsen der Welt. Die Deutschen sind darauf weder mental noch politisch, ökonomisch oder kulturell vorbereitet.

„Minigolf statt Golf-Masters“ (Internationale Politik, 1.11.2021)

Dieser Blog ist dazu da, um genau das zu leisten.

Natürlich gibt es andere Experten, die es auch versuchen, allerdings ist ihre Perspektive im Zweifelsfalle transatlanisch geprägt, wie im Fall dieser Zeitschrift.

Transatlantisch bedeutet:

Die USA sind unser bester Freund, sie beschützen uns und helfen der freien Welt – zu der wir gehören – Werte wie Freiheit, Menschenrechte und Demokratie zu bewahren beziehungsweise zu verbreiten.

Für Transatlantiker sind die größten Rivalen – wenn nicht gar Feinde – auf dem Weg in eine Welt voller Freiheitsliebe Russland und China.

Die einen, weil sie zu viele Atomwaffen besitzen und Europa kaputt machen wollen, die anderen, weil sie zu viele Menschen sind und eine sehr dynamische Wirtschaft haben, die so viel Ertrag abwirft, dass sie halb Deutschland aufkaufen können.


Eine Artikelüberschrift plus Bild aus der BILD, die ich beide in der ersten Textfassung satirisch verändert hatte. Jemand fand es „widerlich“, deswegen habe ich es rausgenommen und stelle nun das Original rein (3.12.2021).

Trotzdem behaupte ich, dass die beiden Länder nicht unser Hauptproblem sind, vor allem wenn es um die „mentale Vorbereitung“ auf den behaupteten Zeitenwandel geht.

Sie sind es deshalb nicht, weil alle Transatlantiker ja schon vorbereitet sind und nicht müde werden, vor den Gefahren zu warnen, die angeblich aus dem Osten kommen.

Und da es nun mal Transatlantiker sind, die über die Außenpolitik entscheiden, brauche ich mich um unsere Ostflanke (vorerst) nicht zu kümmern.

Die kommende Außenministerin ist jedenfalls „in sync“, Washington kann es kaum erwarten.


Amerikanische Falken schicken sehr gerne…
…deutsche Böcke gegen den russische Bären ins Feld.

Mein Fokus ist auf die Amis gerichtet, zumindest erstmal.

Ich möchte die Methoden des Westens kritisch durchleuchten, allen voran die der USA und zweitens die des Mutterlandes angelsächsischer Langzeitstrategien, also Englands.

Meine These lautet: Was die Methoden zur Durchsetzung ihrer Interessen betrifft, so teilen weder das eine noch das andere Land die Werte der Bundesrepublik Deutschland.

Sowohl England und mehr noch die USA sind sehr kriegerische Nationen, sie haben diesbezüglich ein Selbstbewusstsein und ein positives Selbstverständnis, das den Deutschen vollkommen abgeht, aus den bekannten Gründen.


Nahe Iwanhorod (Oblast Tscherkassy) in der Ukraine, vermutlich 1942.

Transatlantiker erzählen uns nun, diese aggressive Entschlossenheit sei sehr gut, denn wenn die USA nicht für uns die Kastanien aus dem Feuer holten, sähen wir ganz alt aus.

Das kann sogar stimmen, trotzdem möchte ich mich nicht einfach damit abfinden.

Wenn wir schon von „Werten“ wie Menschenrechten reden – und das machen Transatlantiker unheimlich gerne! -, dann sollten wir sie halbwegs ernst nehmen.

Das sehe ich aber überhaupt nicht in der Art und Weise, wie sich die USA in der Welt durchsetzen – selbst wenn wir Deutschen davon profitieren.


Er redete vom ewigen Frieden. Was er verschwieg: Sein Zustandekommen erfordert permanenten Krieg, der nicht eher enden wird, bis wir „Stop!“ sagen. Um das zu können, müssen wir die Regeln des Krieges verstehen. Nicht allen gefällt das, deswegen haben sie Desinformation und Propaganda perfektioniert – die wichtigsten Waffen moderner Kriegsführung. Frei nach George Orwell: „War is peace and peace is war.“
Wenn diese Waffen ihre Wirkung verlieren, sind George H.W. Bush und seine Brüder im Geiste und der Tat – die sich für ewig halten – Geschichte.
Und was kommt dann? Irgendjemand wird die Führung übernehmen – aber wer?

Politisch interessiert bin ich seit gut 30 Jahren, in dieser Zeit haben amerikanische Waffen eine Schneise der Verwüstung durch die islamisch geprägte Welt geschlagen, die Ihresgleichen sucht.

All das lässt sich aus strategischen Gründen gut erklären, es war weder Zufall und schon gar kein Fehler, sondern wurde mit Weitsicht vollbracht.

Das amerikanische Vorgehen in der islamisch geprägten Welt hat eine tiefere Dimension, die vorbehaltlos neugierige Menschen faszinieren, aber auch befremden kann. Es geht hier um mehr als reinen Materialismus.

Ich werde das im Laufe der kommenden Monate und Jahre im Detail analysieren.


Ausnahmsweise keine ironische oder schnippische Bildunterschrift. Mein Humor ist ansonsten der Versuch, die Dinge halbwegs erträglich zu gestalten. Jemen, Sommer 2018 (The New Yorker).

Es wird also in diesem Blog um Kriegsführung gehen, und zwar in einem weiteren Sinne.

Anders gesagt: Es geht mir weniger um Panzerschlachten, als um eine holistische Betrachtung des Phänomens.

Hier einige Taktiken und Strategien, die ich analysieren werde, manche überlappen sich mitunter.

Die mit einem Stern gekennzeichneten Methoden können sich auch gegen die eigene Bevölkerung richten, die mit zwei Sternen gekennzeichneten richten sich vor allem gegen sie:

  • kinetische Kriegsführung (Luftangriffe/Invasionen)
  • verdeckte Kriegsführung (Regime Change)
  • Insurgency/Counterinsurgency (Dirty Warfare)
  • Terrorismus (False Flag Terror)*
  • psychologische Kriegsführung (Desinformation/Zersetzung)**
  • mediale Kriegsführung (Propaganda)**
  • Angriff auf die menschliche Autonomie (Mind Control/digitale Kontrolle/Transhumanismus)*
  • finanzielle Kriegsführung (Angriff auf Währungen/Auslösen finanzieller Krisen*)
  • ökonomische Kriegsführung (Sanktionen/Auslösen von Revolten und Hungersnöten)
  • Menschen als „Waffe“ (Auslösen von Flüchtlingsströmen)
  • Androhung von totaler Vernichtung (Nuclear Overkill)

***

Was ist, wenn die Amis doch besser sind als der Rest?

Der Blick in die Geschichte wird eine wichtige Rolle spielen, weil ich versuchen werde, die Gegenwart aus der Vergangenheit heraus zu verstehen, wie es angelsächsische Strategen gerne tun.

Daraus lassen sich wiederum Aussagen über die Zukunft ableiten.

Es ist also klar, dass ich sehr kritisch bin gegenüber westlicher Kriegspolitik.

Gleichzeitig werde ich folgende Fragen nicht außer Acht lassen:

  1. Was wäre, wenn ein anderes Land als die USA das Sagen auf der Welt hätte?
  2. Wie sähe die Welt aus, wenn sich nach 1945 die Sowjetunion durchgesetzt hätte?
  3. Wie wird sie vielleicht in 50 Jahren aussehen, wenn sich China durchsetzen sollte?

Meine Vermutung lautet: nicht unbedingt besser, vielleicht sogar viel schlechter.

Es gibt also genug Stoff zum Nachdenken, er reicht bis an mein Lebensende.

Aber fangen wir erstmal an.

Let´s go!

And now we’re gonna take a ride on the wiggle and sway
I got my finger on the trigger and it’s time to play
And with every little step I blow your mind away

Patrolling Days (The Hives)

29. November 2021