„Am 11. März 2026 fuhr Donald Trump ein Schreck in die Glieder, weil im Garten des Weißen Hauses eine iranische Drohne einschlug“
Im Journalismus – zumindest im anglo-amerikanischen – gibt es die berühmten fünf „W“, die garantieren sollen, dass Reporter ihre Geschichte richtig aufbauen und möglichst nah an den Fakten bleiben. Auch auf Deutsch fangen all die Wörter mit W an.
Hier sind sie:
wer (who)
was (what)
wann (when)
wo (where)
warum (why)
Um es in einen Satz zu bringen:
Wer hat was gemacht, wann ist es geschehen, wo ist es geschehen und warum ist es geschehen.
Hier ein fiktives (!) Beispiel:
„Am 11. März 2026 (wann) fuhr US-Präsident Donald Trump (wer) ein Schreck in die Glieder, weil (warum) im Garten des Weißen Hauses (wo) eine iranische Shahid-Drohne einschlug (was).“
Es geht bei diesen fünf W also auschließlich um das Ereignis, über das berichtet wird.
Ich möchte diese fünf W nun in anderer Weise benutzen, um Lesenden (im Gegensatz zu nicht-Lesenden) zu ermöglichen, Nachrichten, Kommentare und Reportagen besser auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen bzw. sich die Frage zu stellen, was für eine Wirkung diese Texte auf ihre Konsumenten haben könnten bzw. welche Wirkung sie möglicherweise haben sollen.
Ich werde die fünf W nicht auf das Ereignis anwenden, über das berichtet wird, sondern ich werde mich auf den Autor bzw. die Autorin konzentrieren, die einen Text verfasst hat sowie auf das Medium, in dem dieser Text erschienen ist.
Ganz wichtig: Zu den fünf W kommt ein weiteres W hinzu, nämlich das wie.
In einem Satz lautet die Matrix wie folgt:
Wer hat was geschrieben, wann hat er/sie es geschireben, warum hat er es geschrieben, wie hat er es geschrieben, wo ist der Text erschienen.
Die sechs W haben bei dieser Art von Analyse meist eine andere Funktion als die fünf W, die im klassischen Journalismus auf die Berichterstatung von Ereignissen angewendet wird.
Wer: Das wer stellt die Frage, welche fachliche, berufliche und eventuell persönliche Legitimation bzw. Motivation ein Autor haben könnte, um gerade diese Geschichte zu schreiben.
Was: Das was stellt die Frage, was der Autor geschrieben hat, es entspricht weitgehend der Funktion bei den fünf klassischen W.
Wann: Das wann stellt die Frage, in welchem zeitlichen und politischen Kontext der Autor seinen Text geschrieben hat.
Es macht einen Unterschied, ob ich am 11. März 2026 schreibe, eine iranische Drohne sei im Weißen Haus eingeschlagen, oder ob ich es am 11. März 2017 geschrieben haben würde. Im ersten Fall könnten Leser geneigt sein, mir zu glauben, im zweiten Fall würden sie aller Wahrscheinlichkeit nach gesagt haben: „Hat der zu heiß gebadet?“
Warum: Das warum stellt die Frage nach der Motivations des Mediums, den Artikel zu veröffentlichen, erst in zweiter Linie stellt es die Frage, was den Autor oder die Autorin bewegt haben könnte.
Wie: Das wie geht näher auf die Wortwahl ein, die seeeeehr entscheidend ist! Es macht einen Unterschied, wie ich was schreibe. Ein Beispiel:
„Das islamische Mullah-Regime dementierte umgehend, dass die Shahid- Drohne aus dem Iran abgeschossen wurde.“
„Ein iranischer Regierungssprecher dementierte umgehend, dass die Shahid- Drohne aus dem Iran abgeschossen wurde.“
Wo: Das wo stellt die Frage, in welchem Medium der Artikel erschienen ist.
Es macht einen Unterschied, ob die New York Times berichtet, die CIA habe in Syrien islamistische Terroristen mit Geld und Waffen versorgt, als wenn es die Junge Welt macht. Im ersten Falle ist die potenzielle Wirkung hoch, im zweiten Falle wird sie außerhalb bestimmter Kreise gen null tendieren.
Ich werde nun einen Artikel aus der taz mithilfe dieser Matrix analysieren. Ich lade alle Leser und Leserinnen ein, sich den Artikel vorher durchzulesen. Wem es Spaß macht, der kann den Artikel selbst mithilfe dieser Matrix analysieren:
Wer hat den Artikel geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Legitimation.
Was hat sie geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Fakten.
Wann hat sie es geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Kontext.
Warum hat sie es geschrieben (spekulativ). Worum es geht: Motivation.
Wie hat sie es geschrieben (nicht-spekulativ). Worum es geht: Wirkung.
Wo ist der Text erschienen (nicht-spekulativ). Worum es geht: Wirkung/Glaubwürdigkeit.
Meine eigene Analyse kommt dann morgen.
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