Der Krieg für den Krieg

Was Kunst mit Massenzerstörung zu tun hat

Warum werden Kriege geführt?

Neben vielen Gründen, die man nennen könnte, gibt es einen, der vielleicht der zynischste von allen ist:

Kriege werden geführt, um das Kriegführen nicht zu verlernen. Zudem werden sie geführt, um Waffensysteme zu testen.

Krieg erfüllt also einen Selbstzweck.

La guerre pour la guerre (der Krieg für den Krieg) – so ließe sich dieser Umstand beschreiben, frei nach dem aus der Kunst bekannten Konzept.

Das heißt, die Zivilisten, die Opfer dieser Kriege werden, sind die Versuchskaninchen, an denen die Waffensysteme ausprobiert werden; die Infrastruktur, die pulverisiert wird, ist die Kulisse in diesem Spektakel der Zerstörungskunst.


Sergej Schoigu, Siegesparade am 9. Mai 2014.

Hier zwei Zitate, die das belegen.

Beispiel 1

Der amerikanische Radiosender National Public Radio (NPR) schreibt am 23. Februar 2017:

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu machte sich am Abend vor dem „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ auf den Weg in die Duma, dem Unterhaus des Parlaments. Der Nationalfeiertag am 23. Februar war einst als Tag der sowjetischen Armee und Marine bekannt, und Schoigu, gekleidet in der Uniform eines Generals, prahlte mit den neuesten Errungenschaften des russischen Militärs.

„Wir haben 162 verschiedene Typen gängiger und modernisierter Waffen in Syrien getestet, sie haben ein hohes Maß an Wirksamkeit gezeigt“, sagte Shoigu. Nur 10 Waffensysteme hätten die Erwartungen nicht erfüllt, fügte er hinzu.



Der Kreml hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine Intervention im Namen der syrischen Regierung eine hervorragende Gelegenheit war, seine neuen militärischen Fähigkeiten zu demonstrieren.

Beispiel 2

Am 30. August 2021 schreibt die russische Nachrichtenagentur TASS:

Alle neuen russischen Waffensysteme seien bei der Anti-Terror-Operation in Syrien getestet worden, sagte Verteidigungsminister Sergej Shoigu am Montag in einem exklusiven Interview für den Youtube-Kanal Solovyov Live.

„In Syrien, wo wir über 320 [Waffentypen] getestet haben, haben wir letztlich alle Waffen getestet, die uns zur Verfügung stehen, mit Ausnahme derjenigen, die für jeden leicht verständlich sind“, sagte der Verteidigungschef.

Der zitierte Bericht von NPR konsultiert in der Angelegenheit den Militärexperten Aleksandr Golts, damals „Fellow“ am Kennan Institute in Washington D.C.

Er bringt die Sache in aller Nüchternheit auf den Punkt:

So zynisch es auch klingen mag, sagte Golts, aber echter Kampf [Krieg] ist für jedes Militär der beste Weg, um den Zustand seiner Waffen zu testen.

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