Butscha, Ukraine, Teil 1

2. April 2022

Ich werde nun etwas zu den Leichen schreiben, die nach Abzug der russischen Armee in dem Kiewer Vorort Butscha auf der Straße lagen (und möglicherweise noch liegen).

Es ist ein sehr schreckliches und gleichzeitig heikles Thema, zumindest dann, wenn man offene Fragen stellt und sich nicht sofort auf den Standpunkt der BILD-Zeitung stellt (und letztlich aller anderen deutschen Medien auch).



Warum es ein schreckliches Thema ist, ist offensichtlich und bedarf keiner Erklärung; heikel ist meine Herangehensweise deshalb, weil man mir leicht vorgeworfen kann, ich würde russische Grausamkeiten „relativieren“, weil ich sie nicht wie die BILD-Zeitung in aller Entschlossenheit verdamme und stattdessen offene Fragen stelle.

Anders als bei anderen Artikeln werde ich Flapsigkeiten und Witzeleien unterlassen, auch und gerade in den Bildunterschriften (ich werde irgendwann erklären, warum ich mitunter diesen flapsigen Stil wähle).

Ich werde alles sehr nüchtern analysieren, ohne jeglich Emotion.

Allein das werden manche als kaltherzig empfinden, aber sei´s drum. Es ist schlichtweg unmöglich, diese Dinge mit klarem Kopf zu analysieren, wenn man sich seinen Emotionen hingibt.

Für all jene, die sich ihren Emotionen hingeben wollen, empfehle ich die Ausgabe der BILD-Zeitung vom 4. April (siehe oben).

Zu Beginn meiner Analyse mache ich vier Aussagen, die mein weiteres Vorgehen bestimmen werden.

Punkt 1:

Ich halte das „Massaker von Butscha“ für eine totale Niederlage der russischen Seite. Es ist – rein politisch gesehen – eine mittlere Katastrophe, ein PR-Desaster. Warum ich das so sehe, hat unmittelbar mit der Rolle der Bundesrepublik in diesem Konflikt zu tun (aber nicht nur).

Punkt 2:

Ich halte es für möglich, dass die russische Armee dieses Massaker begangen hat.

Punkt 3:

Ich halte es für möglich, dass andere Kräfte die Leichen auf die Straße gelegt haben.

Punkt 4:

Sollte es sich als plausibel erweisen, dass Punkt 3 ein mögliches Szenario ist, halte ich es für wahrscheinlich, dass diese Kräfte von westlichen Spezialeinheiten (Militärs; Geheimdiensten) instruiert wurden.

Diese vier Punkte werde ich in nachfolgenden Teilen meiner Analyse abarbeiten, es wird sich zeigen, ob es insgesamt zwei oder drei Teile werden.

Im ersten Teil der Analyse werde ich die Dinge so gut rekonstruieren, wie es mir möglich ist. Ich gehe in Anbetracht der Brisanz des Themas ausführlich vor und zitiere viel.

Ich baue aus Pietätsgründen nur dann Bilder ein, wenn ich es für inhaltlich unbedingt nötig halte.

Dieser Bericht ist nicht zur Unterhaltung gedacht, sondern es geht um knallharte Aufklärung.

Wer diese ohne Bilder nicht ertragen kann, kann sich den Artikel in Kürze per Audio anhören. Ich werde ihn einsprechen.

Eine Rekonstruktion

Ich beginne mit der ukrainischen Presse, die als erstes über die Befreiung von Butscha berichtet.

1. April 2022, 11.34 Uhr

Die ukrainische Nachrichtenplattform Ukrainska Pravda (Ukrainische Wahrheit) veröffentlicht eine Nachricht folgenden Inhalts:

Butscha bei Kiew wurde noch nicht vom russischen Militär befreit – dorthin zurückzukehren wäre gefährlich, da es in der Stadt viele Minen und Stolperdrähte gibt und Saboteure noch immer in der Stadt aktiv sein könnten.

Ukrainska Pravda zitiert Taras Shapravskyi, den Sekretär des Stadtrates:

„Die Stadt Butscha bleibt ein gefährlicher Ort, da sie immer noch besetzt ist. Wir haben Informationen vom Main Intelligence Directorate [ukrainischer Militärgeheimdienst, A.M.], die bestätigen, dass gepanzerte Fahrzeuge der „Ruschisten“ [russische Faschisten – Anm. d. Red.] und ein bedeutender Teil ihrer Streitkräfte abgezogen worden sind. Aber eine große Anzahl von Saboteuren und russisches Militär in ziviler Verkleidung ist zurückgeblieben. Daher ist es immer noch gefährlich, in die Stadt Butscha zurückzukehren. Und dies wird auch nach der Befreiung von Butscha der Fall sein. Wir gehen davon aus, dass bis zu einem Monat lang große Gebiete, darunter Häuser, Verwaltungsgebäude, zurückgelassenes militärische Gerät und sogar die Leichen, weiter vermint sein werden.“

1. April 2022, 19.26 Uhr

Rund acht Stunden später veröffentlicht Ukrainska Pravda eine Nachricht folgenden Inhalts:

Anatolii Fedoruk, Bürgermeister von Butscha in der Region Kiew, hat bestätigt, dass die Stadt am 31. März von den russischen Besatzern befreit wurde.

Die Plattform zitiert den Bürgermeister wie folgt:

„Der 31. März wird in die Geschichte unseres Ortes und der gesamten Region als Tag der Befreiung von der russischen Besatzungsmacht durch unsere ukrainischen Streitkräfte eingehen. Ich sage heute, dass dies ein Tag voller Freude ist, ein großer Sieg unserer Streitkräfte in der Region Kiew.“

3. April 2022, 12.06 Uhr

Am Samstag, den 2. April sind Reporter der Nachrichtenagentur Reuters in Butscha – so weit ich sehen kann die ersten eines westlichen Mediums.

Ihr Bericht wird am 3. April um 12.06 Uhr veröffentlicht. Sie schreiben:

Am Samstag, drei Tage, nachdem sich die einfallende russische Armee von ihrem gescheiterten Vormarsch auf Kiew (..) zurückgezogen hatte, (..) lagen noch immer tote Zivilisten verstreut auf den Straßen der ukrainischen Stadt Butscha (..). Bewohner sagten, sie seien während ihrer einmonatigen Besatzung von den russischen Truppen getötet worden.

Die Umstände dieses ungewöhnlichen Falls können sich die Reporter selbst nicht erklären, obwohl sie bis an den Ort des Geschehens vordringen konnten und offensichtlich mit dem Bürgermeister sprachen:

Verantwortliche aus der Gemeinde gewährten Reuters-Reportern Zugang zu dem Gebiet, und ein Polizist führte sie durch die Straßen, die jetzt von ukrainischen Panzern patrouilliert werden – bis zu der Straße, wo die Leichen lagen. Es war nicht klar, warum sie noch nicht beerdigt worden sind. Bürgermeister Anatoliy Fedoruk sagte, mehr als 300 Einwohner der Stadt seien getötet worden, und ein Massengrab auf einem Kirchengelände sei noch offen, Hände und Füße würden durch den roten Lehm ragen, der darauf aufgehäuft sei.

Ungewöhnlich ist, dass die Reuters-Reporter das Massengrab nicht aufsuchen (Butscha hat 36.000 Einwohner, wirklich weit weg konnte es nicht gewesen sein).

Es klingt zynisch: Aber für einen Journalisten ist es ein „Scoop“, wenn er als erstes an solch einem Ort ist und darüber berichten kann.

Die Reporter beschreiben aber die Szenerie in der Straße in einigem Detail:

Butschas noch unbeerdigte Tote trugen keine Uniformen. Es waren Zivilisten mit Fahrrädern, deren steife Hände immer noch Einkaufstüten umklammerten. Einige waren offensichtlich schon seit vielen Tagen tot, wenn nicht sogar seit Wochen. Ihnen fehlten keine Körperteile und es war unklar, ob sie durch Granatsplitter, eine Explosion oder eine Kugel getötet worden sind – bei einem aber fehlte das obere Kopfteil.

Die Reporter reden mit ein paar Anwohnern, darunter Mariya Zhelezova, 74 Jahre alt, Putzfrau in einer Fabrik, die wegen ihrer schlechten Gesundheit den Ort nicht verlassen konnte, bevor die Russen kamen. Reuters schreibt:

Auf einem Spaziergang mit ihrer 50-jährigen Tochter erinnerte sie sich unter Tränen daran, wie sie nur knapp dem Tod entkam: „Beim ersten Mal ging ich aus dem Zimmer und eine Kugel zerschmetterte das Fensterglass, sie blieb in der Kommode stecken“, sagte sie. „Beim zweiten Mal hat mein Bein fast ein paar Glassplitter abbekommen. Beim dritten Mal ging ich die Straße runter und wusste nicht, dass ein Mann mit einem Gewehr dastand, die Kugeln verpassten mich nur knapp. Als ich nach Hause kam, konnte ich nicht sprechen.“

Die Frau erzählt, dass alle Anwohner weiße Armbänder tragen mussten, das ihre habe sie abgelegt. („She removed a white cloth armband that she said residents had been ordered to wear.“)

3. April 2022, 15.06 Uhr

Die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse folgt mit ihrem Bericht. Sie schreibt:

Fast 300 Menschen wurden in einem Massengrab in Butscha begraben, einer Pendlerstadt außerhalb der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Das erfuhr AFP am Samstag vom Bürgermeister, nachdem die ukrainische Armee die Kontrolle über die Schlüsselstadt von den Russen zurückerobert hatte.

Der Bericht zitiert den Bürgermeister, der einige Details liefert, es ist allerdings unklar, ob der Reporter den Ort selbst aufgesucht hat:

„In Butscha haben wir bereits 280 Menschen in Massengräbern beerdigt“, sagte Bürgermeister Anatoly Fedoruk der Nachrichtenagentur AFP telefonisch. Er sagte, die Straßen der stark zerstörten Stadt seien mit Leichen übersät. AFP sah am Samstag mindestens 20 Leichen – Männer in Zivilkleidung – in einer einzigen Straße in Butscha liegen. „All diese Leute wurden in den Hinterkopf geschossen, getötet“, sagte Fedoruk. Er sagte, die Opfer seien Männer und Frauen gewesen und er habe unter den Toten einen 14-jährigen Jungen gesehen. Viele der Leichen hätten weiße Bandagen, „um zu zeigen, dass sie unbewaffnet waren“, sagte er. In der Stadt würden immer noch Autos stehen, in denen „ganze Familien getötet wurden: Kinder, Frauen, Großmütter, Männer“, fügte er hinzu. Die Leichen lägen immer noch auf den Straßen, weil dort bislang die Pioniere ihre Arbeit nicht verrichtet hätten.

Gründe für die Verzögerung gibt der Bürgermeister nicht an, es gebe aber Hoffnung, dass dieser schreckliche Zustand bald beendet ist:

Die Behörden werden die Leichen räumen, nachdem die Pioniere ihnen in „drei oder vier Tagen“ grünes Licht gegeben haben, sagte er.

3. April 2022, 19.06

Reuters berichtet über die ersten russischen Reaktionen. Zitiert wird eine Erklärung des Verteidigungsministeriums:

„Alle vom Kiewer Regime veröffentlichten Fotos und Videos, die die ‚Verbrechen‘ russischer Soldaten in der Stadt Butscha in der Region Kiew beweisen sollen, sind nur eine weitere Provokation.“

Es handele sich um eine „gestellte Veranstaltung“ („staged performance“).

Die russische Reaktion zeigt, dass Russland den Medienkrieg – der mindestens genau so wichtig ist wie der wirkliche – unwiederbringlich verloren hat, eigentlich schon von Anfang an (das gilt allerdings nur gegenüber einem westlichen Publikum).

Niemand in einem amerikanischen oder deutschen Leitmedium wird diesem Statement auch nur ein Jota Glauben schenken.

Reuters referiert trotzdem weiter die Position des Verteidigungsministeriums, die Agentur will sich nicht vorwerfen lassen, unausgewogen zu berichten:

Das russische Verteidigungsministerium sagte, dass alle russischen Militäreinheiten Butscha am 30. März verlassen hätten und dass Zivilisten sich frei in der Stadt bewegen konnten oder auch von dort evakuiert werden konnten, während sie unter russischer Kontrolle stand.

Untermalt ist der Bericht mit expliziten Bildern, auf einem ist ein zerschossenes Auto zu sehen mit der Aufschrift: „Kinder.“



Die Aussage des Bildes: Eine Familie mit Kindern hätte die Stadt verlassen wollen, sie hätte vergeblich versucht, mit der Aufschrift „Kinder“ an die Menschlichkeit der russischen Soldaten zu appellieren.

4. April 2022, gegen 9.00 Uhr

Der SPIEGEL stellt einen Bericht von 2.35 Minuten auf youtube ein, der wie folgt angekündigt wird:

Russische Soldaten haben in einem Vorort von Kiew offenbar viele Zivilisten getötet. Im zurückeroberten Butscha liegen Leichen auf offener Straße. Viele Überlebende sind traumatisiert.



In dem Bericht kommt Mariya Zhelezova vor, die Frau, die auch mit Reuters sprach, neben ihr steht vermutlich ihre Tochter Irina. Sie sagt unter Tränen:

Ich hatte solche Angst. Zweimal bin ich knapp dem Tod entkommen. Einmal schlug eine Kugel im Fenster ein, zerbrach das Glas und traf den Schrank. Beim zweiten Mal wurde ich fast von einem Granatsplitter am Bein getroffen. Und dann war ich mal zu Fuß unterwegs, ohne zu merken, dass einer mit einem Maschinengewehr in der Nähe war. Er schoss, verfehlte mich aber.

Es ist nicht klar, ob es sich um das gleiche Interview handelt, aus dem auch Reuters zitiert. Unterschiede in den Details („Glassplitter“, „Granatsplitter“) können auf Übersetzungsfehler zurückgehen.

Warum sie sagt, sie sei zwei mal knapp dem Tod entkommen und dann drei Fälle erzählt, könnte ihrer offensichtlichen Erregung geschuldet sein. Es ist weiter unklar, wer der Mann ist, der auf sie schoss.

Der SPIEGEL wählt für den Clip folgende Überschrift:

Augenzeugin über Gräueltaten in Butscha: „Zweimal bin ich dem Tod entkommen.“

Die Überschrift suggeriert, dass Mariya Zhelezova die Gräueltaten, die in dem Bericht erwähnt werden – also die Toten auf der Straße, die zu sehen sind -, selbst miterlebt hat.

Das geht aus ihren Worten allerdings nicht hervor, die „Gräueltaten“, die sie beschreibt, sind ihr selbst widerfahren (Gewehrkugel im Schrank, zersplittertes Glas, Mann mit Gewehr, der sie nur knapp verfehlt).

Die Straße, in der das Interview geführt wird, ist ganz offensichtlich nicht die Straße, in der die Leichen liegen und wo die zerstörten russischen Panzer herumstehen. Die Häuser, die zu sehen sind, sind jedenfalls völlig unversehrt.

Was immer das auch heißen mag.



Der SPIEGEL zeigt auch den Bürgermeister, der sagt:

„Auf der Yabluska-Straße liegen die Leichen hingerichteter Menschen. Ihre Hände sind mit weißen Tüchern auf dem Rücken gefesselt. Man hat ihnen in den Hinterkopf geschossen. Sie können sich vorstellen, welche Art von Kriegsverbrechen hier begangen wurde. Eines Tages wird das geschichtlich aufgearbeitet werden. Mehr möchte ich jetzt nicht sagen.“

Demnach handelt es sich um eine einzige Straße, wo Leichen liegen.

Das Narrativ

Ich fasse zusammen, was sich aus diesen unterschiedlichen Berichten für ein Narrativ ergibt, ich erzähle es im Indikativ:

Am 30. März 2022 ziehen russischen Truppen aus den Kiewer Vorort Butscha ab.

Zwei Tage später, am 1. April, warnt ein Mitglied des Stadtrates, dass die Stadt noch nicht befreit ist, weil Saboteure und russische Militärs in zivil weiter aktiv sind. Die Stadt ist wahrscheinlich vermint, auch die Leichen.

Ungeachtet dessen verkündet Bürgermeister Fedoruk am Abend desselben Tages, dass Butscha am 31. März (also am Vortag) befreit worden ist. Er nennt ihn deswegen den „Tag der Befreiung“.

Einen Tag später, am 2. April kommen Reporter von Reuters in Butscha an und berichten über die Lage.

Zum ersten Mal ist die Rede von vielen Leichen auf der Straße, es sind Zivilisten. Die Reporter werden von der Polizei zu der Straße geführt, wo die Leichen liegen. Obwohl sie vermint sein könnten, lässt die Polizei die Reporter die Verstorbenen inspizieren.

Warum sie nicht beerdigt worden sind, ist nicht klar. Ebenso unklar ist, wie die Menschen zu Tode gekommen sind: Ihnen fehlen keine Gliedmaßen, nur bei einem sehen die Reporter, dass der halbe Kopf weg ist.

Einige sind seit Tagen tot, wenn nicht sogar Wochen. Das bedeutet, dass sie die ganze Zeit dort gelegen haben müssen, oder sie wurden dorthin transportiert.

Wirkliche Augenzeugen gibt es keine.

Reuters zitiert die 74jährige Putzfrau Mariya Zhelezova, die erzählt, wie eine Kugel in ihre Wohnung eindrang und wie ein Mann auf sie schoss, aber daneben zielte.

Wer der Mann war und warum er auf sie schoss, ist unklar. Was sie mit den Toten auf der Straße zu tun hat, ist unklar.

Der Bürgermeister sagt, es gibt ein Massengrab bei der Kirche, das noch halb offen ist und wo Hände und Füße aus dem Boden ragen. Die Reporter interessiert das nicht, jedenfalls suchen sie den Ort nicht auf.

Wenige Stunden später folgt AFP mit ihrem Bericht. Bürgermeister Fedoruk sagt, dass bereits 280 Menschen in Massengräbern begraben wurden. Er sagt, die Straßen der Stadt sind mit Leichen übersäht.

AFP zählt zwanzig Leichen auf der Straße, macht zusammen 300. Bürgermeister Fedoruk sagt, dass die 20 Zivilisten alle durch Schüsse in den Hinterkopf hingerichtet wurden.

Schüsse in den Hinterkopf aus nächster Nähe verursachen für gewöhnlich schwere Verletzungen, es ist nicht klar, warum die Reporter von Reuters das nicht erkennen konnten (bis auf einen Fall).

Der Bürgermeister sagt, dass die Leichen nicht begraben wurden, weil die Pioniere in der Straße noch nicht aktiv waren (anders als die Reporter von Reuters).

Das Problem ist nun, dass die Toten vermint sein könnten und von den Räumkommandos gesichert werden müssen.

Warum die Pioniere nicht kommen, ist unklar, da die restlichen 280 Leichen, die vermint sein könnten, bereits in Massengräbern verschart worden sind. In drei oder vier Tagen ist es so weit, sagt der Bürgermeister.

Andere Militärs sind in der Straße bereits anwesend und passen auf.



Am 4. April berichtet auch der SPIEGEL über den Fall auf seinem youtube-Kanal.

Der Bürgermeister sagt, dass in der Yabluska-Straße schwere Kriegsverbrechen begangen wurden, mehr möchte er nicht sagen. Die Geschichte wird ihr Urteil abgeben.

Von Leichen in anderen Straßen spricht er nicht, das Massengrab am Friedhof bleibt unerwähnt.

Mariya Zhelezova kommt in dem Bericht vor, sie erzählt mit kleinen Abweichungen die Geschichte, die sie auch Reuters erzählt hat. Der SPIEGEL sagt, sie ist eine Augenzeugin der Gräueltaten – das ist aber nicht das, was sie selber von sich sagt.



In dem Bericht ist die Straße mit den Leichen zu sehen, um sie herum einige Zivilisten, die – so darf man vermuten – verzweifelt auf die Ankunft der Pioniere warten.

Die Szenarien

Ich werde nun Szenarien durchspielen für das, was sich in Butscha abgespielt haben könnte.

Im Vordergrund steht die Frage, warum es solche Gräueltaten im Krieg gibt, wie sie motiviert sind und welchen Zweck sie erfüllen können.

Ich fahre also mit meiner scheinbar kaltherzigen Analyse der Lage fort und bitte vorbeugend um Entschuldigung: Ich bin kein kaltherziger Mensch (den Rest siehe oben).

Punkt 2: Ich halte es für möglich, dass die russische Armee verantwortlich ist

Für westliche Leitmedien ist klar, dass die russische Armee für diese Gräueltaten verantwortlich ist.

Niemand würde auch nur auf die Idee kommen, das zu hinterfragen.

Was die möglichen Motive der russischen Armee betrifft, möchte ich stellvertretend Paul Ronzheimer zitieren, der für die BILD-Zeitung in Butscha war.



Was er sagt, werde ich dann morgen erzählen.

***