„Bewaffnete Gruppen bieten strategische Möglichkeiten“

Warum sich Fanatiker und Extremisten gut für die verdeckte Kriegsführung eignen

Wie ich in meinem ersten Artikel über den aktuellen Krieg berichtet habe, bereiteten US-Militärs und CIA-Offiziere die Ukraine seit 2015 auf einen Guerilla-Krieg vor, falls Russland einmarschieren sollte.

Ein Insider dieses Programms wird von YahooNews! wie folgt zitiert:

Wenn die Russen einmarschieren, werden diese [Absolventen der CIA-Programme] die entscheidende Miliz sein, sie werden die Führung des Aufstandes übernehmen (..). Wir bilden diese Jungs jetzt seit acht Jahren aus. Sie sind wirklich gute Kämpfer. Hier könnte das Programm der CIA ernsthaft Wirkung zeigen.

Was ich in dem Artikel nicht erwähnt habe, ist die Tatsache, dass im Rahmen dieses Programmes auch ukrainische Extremisten von den so genannten Asow-Brigaden ausgebildet wurden.


Das ist aber nicht so schön…..

Es ist ein heikles Thema, weil diese Brigaden derzeit in der umzingelten Stadt Mariupol kämpfen, wo sie seit Jahren aktiv sind; ihr extremistischer Hintergrund wird in den deutschen Medien vermutlich deswegen heruntergespielt, weil das die Moral des ukrainischen Widerstands beschädigen könnte.

Außerdem gebe es in Russland auch Extremisten, so das Argument, es mache also keinen Unterschied.


Ein Kickboxer ganz im Sinne der WELT.

Manche Medien glorifizieren diese Brigaden sogar, wenngleich ihr ideologischer Hintergrund nicht bei allen deutschen Politiker:innen auf Begeisterung stoßen dürfte.

Denn die Asow-Brigaden – und andere ukrainische Extremisten – benutzen mitunter Symbole, die in der Bundesrepublik Deutschland verpönt sind.


Günther Jauch war vor Jahren etwas verwirrt, als er dieses Bild zu Gesicht bekam. Der ukrainische Botschafter fand es normal: Partner sind Partner sind Partner…

Die Sache bedürfte einer Vertiefung, auch historischer Natur, aber ich lasse das an dieser Stelle. Weitere Hinter- und Abgründe kann man hier nachlesen oder sich hier anschauen.

Vielmehr möchte ich das Kapitel eines Buches zur Aufmerksamkeit bringen, das im kommenden Jahr erscheinen wird.

In diesem Kapitel geht es darum zu zeigen, dass US-Strategen seit 20 Jahren offiziell dafür plädieren, extremistische Gruppierungen zu unterstützen – darunter Leute, die die USA selbst als Terroristen einstufen.

Als Ergänzung zu dem Buchkapitel werde ich am Ende dieses Artikel darüber nachdenken, warum dessen Inhalt auch für die aktuelle Lage von Relevanz sein könnte.

Es geht los:

Die CIA präsentiert eine „weltweite Angriffsmatrix“

Am 11. September 2001 um 8.50 Uhr sitzt CIA-Chef George Tenet mit seinem Mentor David Boren, früher Leiter des Geheimdienstausschusses im Kongress, im St. Regis Hotel unweit des Weißen Hauses und will frühstücken.

Gerade sind die Omeletts gekommen.

Doch ehe der Schmaus beginnt, eilen Leibwächter des CIA-Chefs heran und stören das Idyll:

„Einer von ihnen sagte zu George Tenet: `Herr Direktor, das World Trade Tower wurde gerade von einem Flugzeug angegriffen“, erinnert sich David Boren ein paar Tage später. „Ich war verwundert, dass er das Wort ‚angegriffen‘ benutzte.“

Ganze vier Minuten vorher ist ein Flugezug in den North Tower des World Trade Centers geflogen. Niemand weiß, was los ist – außer die CIA, wie es den Anschein hat.

George Tenet jedenfalls ist nicht überrascht, er sagt zu seinem verhinderten Frühstückspartner:

Wir sind uns ziemlich sicher, dass es kein Unfall war. Es sieht aus wie ein Terrorakt.

George Tenet ahnt sogar, wer dahinter steckt:

Und weißt du was? Das Ganze trägt die Handschrift [Osama] bin Ladens.


Links George Tenet, rechts der Präsident. Die Tulpen sind Signale an eingeweihte Mitglieder okkulter Bruderschaften. Sie sagen: „Bald geht es in Mittelasien los.“

Fast auf die Stunde genau vier Tage später, am 15. September 2001 um 9.30 Uhr, sitzt George Tenet in Camp David, um ihn herum Präsident George W. Bush, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Außenminister Collin Powell und andere Sicherheitsgrößen des American Empire.

Der CIA-Chef trägt einen detaillierten Plan vor, wie sich die USA gegen Osama bin Laden zur Wehr setzen könnten.

Dazu schreibt Bob Woodward von der Washington Post:

Tenets 30minütige Präsentation (..) skizzierte eine Sicherheitsarchitektur ganz im Sinne des Präsidenten: eine weltweite Kampagne gegen den Terrorismus mit einer Eröffnungsphase, die sich auf bin Laden, al-Qaida und das Taliban-Regime in Afghanistan fokussierte.

Dieser Krieg, so der Plan, solle vor allem verdeckt und weitgehend schrankenlos geführt werden:

Tenet wollte einen umfassenden Geheimdienstbefehl, der es der CIA ermöglichen würde, die notwendigen verdeckten Operationen durchzuführen, ohne für jede spezifische Operation eine formelle Genehmigung einholen zu müssen. Tenet sagte, er brauche diese Vollmacht, damit die Agency ohne Einschränkungen arbeiten könne – und er wolle vom Präsidenten die Erlaubnis haben, echte Risiken einzugehen.


Bob Woodward arbeitete früher für den Navy Geheimdienst. Danach schrieb er viele spannende Bücher, sie dürfen als offiziell geprüfte Version der Wahrheit gelten.

Dann zieht George Tenet ein weiteres Dokument aus der Tasche – natürlich „top secret“ (Bob Woodward) –, das den Titel „Worldwide Attack Matrix“ trägt und verdeckte Operationen in 80 Ländern aufzählt, die entweder schon im Gange seien oder bald losgehen sollten:

Die Aktionen reichten von routinemäßiger Propaganda bis hin zu tödlichen verdeckten Operationen, die zur Vorbereitung militärischer Angriffe dienen sollten.

Nicht nur George W. Bush ist begeistert, sondern auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld – „trotz möglicher Reibereien zwischen der CIA und dem Pentagon bei der Aufgabenverteilung und den Verantwortlichkeiten in solchen Militärkampagnen“.

Donald Rumsfeld sagt dazu später in einem Interview mit Bob Woodward:

Ich war davon überzeugt, dass wir Leute in diesen Ländern brauchten, die für uns arbeiten (..). Und die CIA hatte solche Beziehungen und würde sie weiter ausbauen können, um dieses Vorgehen zu ermöglichen. Es war für mich klar, dass das von entscheidender Bedeutung war

Damit waren die Grundlagen für den Global War on Terror (abgekürzt GWOT) gelegt, der bis heute anhält, obwohl dieser Begriff nicht mehr benutzt wird und die verdeckten anti-Terrormaßnahmen des American Empire kaum noch Schlagzeilen machen.


Beim Global War on Terror geht es vor allem um die Werte der FDP (laut Friedrich-Naumann-Stiftung).

Doch bleiben wir zunächst im Herbst des Jahres 2001.

Nachdem die CIA ihren Hut in den Ring geworfen hatte, ließ sich das Pentagon nicht bitten.

Am 12. Oktober 2001 gibt Donald Rumsfeld der Militärzeitschrift Parade Magazine ein Interview, in dem er die neue Mentalität des US-Militärs charakterisiert. Er sagt:

Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass ein Terrorist jederzeit, an jedem Ort und mit jeder Technik angreifen kann. Es ist aber physisch unmöglich, sich zu jeder Zeit und an jedem Ort gegen jede erdenkliche Technik zu verteidigen. Die einzige Möglichkeit, mit diesem Problem fertig zu werden, besteht darin, den Kampf direkt zu den Terroristen zu tragen, wo immer sie sind, und sie vor Ort zu stellen.

Auffällig ist: Kommt das Thema Terrorismus in diesen Tagen zur Sprache – und das passiert ständig -, wird im gleichen Atemzug vor dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen gewarnt. Dahinter steckt Methode: Denn es reicht die Erwähnung, dass Terroristen chemische oder biologische Waffen einsetzen könnten, um das Volk in Angststarre zu versetzen.

Ob diese Gefahr tatsächlich besteht, ist zweitrangig.

Durch den Verweis auf Massenvernichtungswaffen werden Länder, die als Sponsoren der Terroristen gelten, von alleine zu Parias der Weltgemeinschaft, die sich außerhalb des Völkerrechts bewegen.

Grenzenloser Krieg respektiert keine Grenzen

Interessanterweise sind das immer Länder, die den USA ein Dorn im Auge sind, wie etwa der Irak, Iran, Syrien oder Libyen. Dazu Donald Rumsfeld:

Es gibt eine Korrelation zwischen den Ländern, die den Terrorismus fördern, und den Ländern, die chemische und biologische Waffen einsetzen, und sie arbeiten eifrig daran, auch nukleare Waffen zu entwickeln.

Die Logik entgrenzter Kriegsführung gegen grenzenlos agierende Terroristen und deren Sponsoren hat einen wichtigen Vorteil für US-Sicherheitsstrategen:

Es liefert ihnen die Rechtfertigung, das Souveränitsprinzip auszuhebeln, das seit Gründung der Vereinten Nationen der Maßstab war im Umgang souveräner Staaten miteinander.

Donald Rumsfeld warnt alle Länder, die die Worte der US-Präsidenten nicht ernst nehmen könnten:

Er wird Terroristen finden und sie ausrotten, und er wird ein politisches Klima schaffen, das den Ländern, die sie beherbergen, klar macht, dass sie damit aufhören sollten.

Der Verteidigungsminister will damit sagen: Wer Terroristen unterstützt, hat sein Recht verwirkt, als souveräner Staat behandelt zu werden.

Spezialeinheiten sollte man nicht provozieren, schon gar nicht mit Bildunterschriften.

Ein solcher Staat muss demnach damit rechnen, Besuch von militärischen Spezialeinheiten und Geheimdiensten der USA zu bekommen, die sich auf seinem Territorium bewegen, als sei es das ihrige.

Im Laufe der nächsten Monate beginnt Donald Rumsfeld damit, das amerikanische Militär umzukrempeln.

Der Fokus liegt auf dem Ausbau militärischer Spezialeinheiten, die für die verdeckte Kriegsführung zuständig sind.

Die Art und Weise ihres Vorgehens unterliegt der Geheimhaltung, doch zwischendurch werden ausgewählte Medien in die Geheimnisse der verdeckten Kriegsführung eingeweiht.

So geschehen im Herbst 2002, als die Ergebnisse eines Symposiums des Defense Science Boards (DSB) an einige Journalisten durchgestochen wurden.

Das DSB ist ein aus Zivilisten bestehendes Gremium, das das Pentagon vor allem in wissenschaftlichen Fragen berät, mit dem Fokus auf technische Neuerungen.

Im August 2002 organisiert das Gremium ein Treffen, das folgenden Titel trägt: „DSB Summer Study on Special Operations and Joint Forces in Support of Countering Terrorism.“

Am 16. August findet ein Power Point Briefing statt, das 78 Seiten umfasst und in dem die Vorschläge des DSB zusammengefasst werden.

Sie haben es in sich. So schreibt die Presseagentur United Press International (UPI), die das Material zugespielt bekommt, in einem ausführlichen Bericht vom 26. September 2002:

Ein Pentagon-Bericht plädiert dafür, 7 Milliarden US-Dollar in den Aufbau einer neuen Eliteeinheit zu investieren. Diese Elitegruppe soll aus Anti-Terror-Agenten bestehen, um den Krieg gegen den Terrorismus präventiv und proaktiv führen zu können. Sie soll al-Qaida dazu bringen, Operationen zu starten, auf die sie nicht genügend vorbereit ist und die dazu führen wird, dass ihr Personal exponiert wird.

Im Zentrum steht die Idee, Terroristen durch verdecktes Vorgehen aus der Reserve zu locken:

Anstatt zu versuchen, die Pläne von Terroristen aufzudecken und zu vereiteln – der Ansatz, der die aktuelle Strategie charakterisiert – würde die `Proactive Preemptive Operations Group´ (bekannt als P2OG ) nach Wegen suchen, Terroristen in den Aktionismus zu treiben. Das kann geschehen, indem man ihre Geldressourcen ausdünnt oder sie mit Falschmeldungen in die Irre führt.

Die konspirative Truppe – die Rede ist von 100 Leuten – soll aus handverlesenen Spezialisten bestehen, die sich mit Propaganda, psychologischer Kriegsführung, Computernetzangriffen und verdeckten Operationen auskennen.


Spion gegen Spion.

Der Bericht beschreibt einige der geheimen Techniken, die, so darf man vermuten, heute in Gebrauch sind:

Der Bericht, der sich in Teilen wie ein fantastisches „Spion gegen Spion“-Handbuch liest, plädiert dafür, wichtige Terroristenführer mit speziellen Chemikalien zu markieren, damit sie überall auf der Erde per Laser verfolgt werden können; er plädiert ferner für die Schaffung eines speziellen, heimlich operierenden SWAT-Teams, das weltweit chemische, biologische und nukleare Waffen aufspürt und zerstört; und er plädiert für die Schaffung eines Teams aus besonders teuflischen Denkern, die sich Szenarien für Terroranschläge auf die Vereinigten Staaten ausdenken, damit die Regierung Pläne entwickeln kann, solche Anschläge zu vereiteln

Ferner heißt es:

Eine DNA-Datenbank könnte erstellt werden, um dieselben Personen zu tracken, indem Proben von biologischem Material auf Gegenständen und Papieren gesammelt werden, die die Zielpersonen angefasst haben.

Im Kern geht es also darum, Terrorgruppen zu infiltrieren, zu manipulieren und sie dazu zu bringen, aktiv zu werden, um sie dann zerstören zu können. Eine teure Angelegenheit, so der Bericht von UPI:

Eine der kostspieligsten Empfehlungen bezieht sich darauf, die Fähigkeit der Geheimdienste zu verbessern, in Terrorzellen einzudringen, um Informationen zu sammeln. Die Technologien und Methoden dafür werden als geheim eingestuft, die Kosten aber nicht: Es handelt sich um 1,7 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von 5 Jahren, angefangen in 2004.

Wenn Terroristen „schwächeln“, brauchen sie Motivation…

Auch die Los Angelese Times und die Asia Times berichten über das interessante Dokument, aber niemand will aussprechen, was offensichtich scheint:

Dass die USA sich mit diesen Methoden alle Türen öffnen, um den Global War on Terror am Laufen zu halten, wenn es nötig ist.

Anders ausgedrückt: Wenn die Terroristen “schwächeln”, sind amerikanische Spezialeinheiten willens und in der Lage, sie zu weiteren Taten anzustacheln.

Chris Floyd, damals Kolumnist der Moscow Times, ist der einzige, der Klartext redet:

Sprechen wir es doch deutlich aus, damit jeder die Absicht hinter Rumsfelds Plan versteht: Die Regierung der Vereinigten Staaten plant, durch „Hinterhalt und Täuschung“ mörderische Terroranschläge auf unschuldige Menschen zu provozieren (..).

Chris Floyd liefert Ideen, wie die Provokationen aussehen könnten, die Terroristen inspirieren sollen:

Stellen wir uns die Frage, wie Terroristen zum Handeln bewegt werden können: Indem ihre Familienangehörigen getötet werden? Indem wir ihnen Beute versprechen? Indem sie mit Drogen vollgepumpt werden? Indem sie in Dschihad-Propaganda ertränkt werden? Indem wir ihre Mütter misshandeln? Oder vielleicht mithilfe von Agent Provocateurs, die Gruppen infiltrieren und Anschläge selbst planen und ausführen?

Wozu aber sollte das US-Militär so etwas tun? Chris Floyd:

Wenn Terroristen erstmal dazu gebracht worden sind, Anschläge zu verüben, dann können Maßnahmen gegen die staatlichen Akteure ergriffen werden, die diese beherbergen. Die von Rumsfeld aufgehetzten Banden dienen als Rechtfertigung, um die Souveränität von Staaten auszuhebeln. In dem Pentagon-Programm hört sich das so an: „Ihre Souveränität wird gefährdet sein.“


Alija Izetbegovic war ein Freund Amerikas. Osama bin Laden mochte er auch.

Ein zweiter Aspekt kommt hinzu: Ähnlich wie in Afghanistan in den 1980er Jahren und in Bosnien sowie im Kosovo eine Dekade später, können islamische Extremisten und Dschihadisten als Verbündete des American Empire auftreten.

Der Unterschied zu damals ist, dass jetzt offen darüber geredet wird, was ein Paradox darstellt: Denn eigentlich gilt der Terrorismus seit September 2001 als Todfeind der westlichen Zivilisation!

Schauen wir uns ein Strategiepapier aus dem Jahre 2004 an, das eine andere Sprache spricht. Es wurde vom Institute for National Security Studies der US Air Force verfasst und trägt den Titel: “Armed Groups: A Tier-One Security Priority.”

Übersetzt: „Bewaffnete Gruppen: Oberste Sicherheitspriorität.“

Das Autorenkollektiv untersucht “bewaffnete Gruppen” und teilt diese in “Aufständische, Terroristen, Milizen und kriminelle Organisationen” ein. Sie schreiben:

Bewaffnete Gruppen werden auch im 21. Jahrhundert eine ernsthafte strategische Herausforderung für uns sein, aber auch strategische Chancen bieten, die genutzt werden können, um politische Ziele zu erreichen. Es gab und wird Fälle geben, in denen es im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten ist, mit bewaffneten Gruppen zusammenzuarbeiten.

Im Klartext heißt das: Terroristen und Extremisten jeglicher Couleur können Partner sein, wenn es in das strategische Konzept der USA passt. Die Autoren schreiben weiter:

Um das Phänomen bewaffneter Gruppen nutzen zu können und um die Gefahren zu managen, muss sehr viel Wissen über diese Akteure angesammelt werden: Dieses Wissen muss die Bedrohungen aufzeigen, aber auch die Chancen, die sich aus einer Zusammenarbeit ergeben können.


Itamara Lochard gehört zu den Autorinnen dieser Studie. Sie hat lauter bewaffnete Gruppierungen im Blick, die sich möglicherweise für das Empire aufopfern wollen.

Deswegen schlagen die Autoren vor, diese bewaffneten Gruppen – darunter wie gesagt Terroristen, – genau zu studieren, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können:

Um bewaffnete Gruppen zu verstehen, bedarf es ausgefeilter Methoden. Es ist nötig, die Unterschiede zwischen ihnen zu erkenen, aber auch die Unterschiede innerhalb von Organisationen. Es müssen systematische Profile ihrer Organisations- und Funktionsweisen erstellt werden und es bedarf spezieller Methoden, um sie zu überwachen…. Solche Profile dienen als Grundlage für die Entwicklung nachrichtendienstlicher Methoden und für die Entwicklung militärischer Special Operations (..).

Die Systematik und Akribie dieser Studie ist bemerkenswert.

Sie zeigt, dass die verdeckte Kriegsführung eine Kunst für sich ist, die sehr viel Wissen und Erfahrung erfordert. Entscheidend bei der Studie ist die Tatsache, das es sich nicht um bloße Theorie handelt.

Ihre Autor:innen kommen aus der Praxis. Eine von ihnen heißt Itamara Lochard, über die der investigative Journalist Nafeez Ahmed schreibt:

Seit 2008 ist Lochard außerordentliche Professorin an der US Joint Special Operations University, wo sie einen streng geheimen Fortgeschrittenenkurs in „Irregular Warfare“ unterrichtet, den sie für hochrangige Offiziere der US-Spezialeinheiten konzipiert hat.

Itamara Lochard unterhält laut Nafeez Ahmed eine Datenbank von 1.700 nicht-staatlichen Gruppen, die folgendermaßen kategorisiert sind (der Link von Lochards Webseite funktioniert leider nicht mehr, ich habe es vor Jahren versäumt, den Inhalt zu sichern):

  • Aufständische
  • Milizen
  • Terroristen
  • komplexe kriminelle Organisationen
  • organisierte Banden
  • böswillige Cyberakteure
  • strategische gewaltfreie Akteure

Sie unterhält diese riesige Datenbank, um Organisationsmuster, Strukturen der Zusammenarbeit, Strategien und Taktiken der Terrorbanden und Milizen zu analysieren.

Die Dinge sind im Fluss, wir behalten sie im Auge…

Wie sieht nun die Praxis aus?

Welche Konflikte gab es, in denen hochspezialisierte US-Militärs und Geheimdienstler zum Einsatz kamen und sich der Dienste von Milizen, Extremisten und Terroristen bedienten?

Wann und warum taten sie das genau?

Ich habe zu diesem Komplex tonnenweise Material gesammelt, das Besondere ist ja, dass diese Dinge meist im Offenen passieren, quasi vor aller Augen.

Es gibt aber andere Konflikte, wo die Zusammenarbeit mit Extremisten und Terroristen nicht so offensichtlich ist, sie lässt sich nur aus dem Gesamtzusammenhang herleiten.

Es ist die Absicht dieses Blogs, solche Mechanismen im Detail zu beschreiben und zu analysieren.



Für die aktuelle Lage – also was den Krieg in der Ukraine betrifft – verweise ich auf den Anfang dieses Artikels.

Ferner verweise ich erneut auf diesen Beitrag von mir vom 10./11. März 2022:

Die Dinge sind im Fluss, wir werden sie im Auge behalten…

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