Der Verschwörungspraktiker

Eine Kolumne für Neugierige

Kürzlich erschien im stern ein Interview mit Tobias Meilicke von der Beratungsstelle Veritas, was übersetzt heißt: „Beratungsstelle Wahrheit.“

Er hilft Menschen, deren Angehörige an „Verschwörungserzählungen“ glauben, bei der Wahrheitsfindung, um die Verirrten wieder aus dem Märchenwald zu holen.

Sein Ratschlag lautet: „Streiten Sie nicht über Fakten.“

Vielmehr solle man an Gefühle appellieren, denn wer vom Verschwörungsvirus befallen sei, könne anders nicht erreicht werden.

Auch der Süddeutschen Zeitung sagte Tobias Meilicke:

Meine Methode geht in die andere Richtung: Ich möchte in dieser Kolumne vor allem über Fakten reden und erst danach über „Gefühle“ (wenn überhaupt).

Mich interessiert die Praxis der Verschwörung und die Frage, wann sie nachweisbar ist und wann es bei bloßer Spekulation bleiben muss.

Zum Einstieg in das Thema habe ich meine Suchmaschine angeworfen und den Begriff „Verschwörungstheorie“ eingegeben:

Von den 980.000 Angeboten gefällt mir Platz Platz 6 am besten:

Die Sonderseite der FAZ eignet sich gut als Hinführung zu der Frage, die mich seit Jahren umtreibt und die ich nun klären möchte:

Gibt es eigentlich Verschwörungen, oder ist alles nur ausgedacht?

Denn der Begriff Verschwörungstheorie, der schon lange in aller Munde ist, hat sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie explosionsartig vermehrt.

Flankiert wird er von seinen jüngeren Geschwistern Verschwörungserzählung, Verschwörungsmythos, Verschwörungsglauben und Verschwörungswahn, die alternativ benutzt werden können, je nach Lust und Laune.

Beispiel FAZ. Eine Auswahl:

13. Januar 2022:

4. Januar 2022:

15. Dezember 2021:

13. Dezember 2021:

24. November 2021:

23. Oktober 2021:


Und so weiter und so fort.

Als Übergang passt dieser Artikel, den die FAZ mit einer rhetorischen Frage einleitet:

Ja, das ist die entscheidende Frage: Muss man ein Idiot sein, um daran zu glauben?

Oder sind vielleicht die anderen die eigentlichen Idioten, die nämlich meinen, das Leben bestünde aus reiner Theorie?

Entschuldigung, ist natürlich nicht ernst gemeint…

Trotzdem frage ich mich: Warum sollte sich der liebe Gott das Wort „Verschwörung“ ausgedacht haben, wenn alles nur Mythos und Wahn wäre?

Ich kann mir kaum vorstellen, dass der liebe Gott so etwas machen würde, er will uns doch nicht verkackeiern!


Mein Wissen kommt von oben. Die Nummer ist vertraulich.

Wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass es Verschwörungen gibt, das Vorgeplänkel hätte ich mir sparen können, aber ich dachte, es könnte unterhaltsam sein.

In dieser Kolumne möchte ich mein Wissen mit Ihnen teilen.

Ich werde Ihnen zeigen, was Verschwörungen sind und was passiert, wenn sie gelingen und was passiert, wenn sie nicht gelingen. Außerdem werde ich Ihnen zeigen, wie man herausfinden kann, dass es sich um eine Verschwörung handelt.

Es gibt dafür einen einfachen Trick, den ich mir aus der Wissenschaft geborgt habe. Dieser Trick umfasst im wesentlichen drei Schritte:

  1. Man muss viel lesen (am besten sehr viel).
  2. Man muss sich in Quellenkritik üben.
  3. Man muss Arbeitshypothesen aufstellen und nach Beweisen suchen; wenn diese sich nicht finden lassen, war die Hypothese falsch.

Punkt 1: Das Lesen liegt mir, genau genommen liebe ich es.

Punkt 2: Quellenkritik habe ich im Geschichtsstudium gelernt und später als investigativer Journalist verfeinert.

Punkt 3: Mit Hypothesen und Theorien umzugehen habe ich im Studium der Sozialwissenschaften gelernt (Politikwissenschaft, später berufsbegleitend Kriminologie).

Dass es Verschwörungen gibt, weiß ich, weil ich als Islamwissenschaftler viel im Nahen Osten unterwegs war.

Dort wimmelt es nur so vor Verschwörungen, in Vergangenheit

…wie Gegenwart:

Es kann also losgehen.

Zwei Dinge möchte ich allerdings vorweg sagen: Verschwörungsglaube kann wirklich zu einem Problem werden, er kann Menschen verrückt machen und sie dazu bringen, jegliches Vertrauen in Staat und Gesellschaft zu verlieren.

Manche driften tatsächlich in den Wahn ab und setzen sich – im wahrsten Sinne des Wortes – Aluhüte auf.

Das ist nicht gut und deswegen werde ich auch das thematisieren.

Ich werde einen konkreten Fall erzählen – allerdings anonymisiert -, den ich aus der Nähe miterlebt habe. Der Bekannte war psychisch labil und las Literatur, die ich nur als ekelhaft bezeichnen kann und die ihn völlig aus der Bahn warf.


Ich habe reingelesen und mich sofort unwohl gefühlt.

Bis heute ist er nicht in den Kreis der Klardenkenden zurückgekehrt.

Zum Zweiten möchte ich sagen, dass mein Anliegen konstruktiv ist, nicht disruptiv. Ich glaube an die heilende Wirkung dessen, was in der Sozialwissenschaft „Exposure“ genannt wird.

To expose heißt im Englischen, eine Sache offenlegen; es bedeutet gleichzeitig, sich selbst und andere einer womöglich unangenehmen Wahrheit auszusetzen.



Derjenige, der etwas Unangenehmes offenlegt, macht sich damit angreifbar, er „exposed“ sich.

Umgekehrt mutet er den anderen etwas zu: Sie werden mit einer Sache konfrontiert, die sie in Zeiten der Unsicherheit schwer ertragen können, sie sind verletzlich und wollen das Unangenehme vielleicht gar nicht wissen.

Derzeit leben wir in solchen Zeiten. Alles ist im Fluss, niemand weiß, wohin das leckgeschlagene Schlachtschiff Erde driften wird.

Lügen aber sind Gift für eine Gesellschaft – und Verschwörungen haben immer etwas mit Lüge zu tun!

Beide gehören zusammen wie Pech und Schwefel.

„Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8,32)

Es bringt nichts, sich einem trügerischen Wohlgefühl hinzugeben und die Fakten zu ignorieren. Der Glaube, im Besitz von Veritas zu sein, mag kurzfristig Sicherheit liefern, außerdem hilft er bei der Jobsuche.

Auf lange Sicht macht er die Sache aber nicht besser.


Menschen, die an den lieben Gott glauben, können manchmal besser mit der Wahrheit umgehen also solche, die meinen, nach dem Sprung in die Kiste ist Schluss.

Trotzdem werde ich behutsam vorgehen. Denn selbst wenn uns die Wahrheit am Ende „frei machen“ wird, kann sie anfangs schockieren.

Zum Schluss möchte ich etwas ganz anderes sagen: Verschwörungen sind eine spannende Sache. Sie zu verfolgen und langsam Licht ins Dunkel zu bringen – das macht richtig Spaß!

Wer das Thema aus dieser Warte sehen kann, ist bei mir genau richtig.

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