Der Islamismus – Ein „verteufelter“ Freund des Westens (3)

„… empfehle ich, die Minuten 21.20 bis 32.35 anzuhören…“

Bis Montag, den 18. Januar, läuft hier das Feature Der Islamismus – ein „verteufelter“ Freund des Westens, das ich für NDR Info recherchiert und geschrieben habe.

Es stand vom 10. bis 12. Dezember 2020 auf der Webseite des NDR und wurde dann heruntergenommen, weil es nicht den „journalistischen Qualitätsansprüchen“ des NDR entspreche.

Ich habe mittlerweile viel Feedback bekommen. Auffällig finde ich, dass die meisten Leute scheinbar nicht erkennen, was das eigentlich Brisante an dem Feature ist (aus meiner Sicht).

Deswegen gebe ich einen kurzen Überblick und ordne die Sendung thematisch ein.

Das Feature besteht aus vier Teilen:

Teil 1 (Anfang bis Min. 19:20):

Hier erzähle ich viel von mir selbst, meinen Erfahrungen in der islamischen und islamisch geprägten Welt, speziell mit Islamisten; außerdem erzähle ich über meine Erfahrungen als Journalist mit Nachrichtendiensten und wie ich dadurch paranoid wurde.

Teil 2 (Min. 19:23 bis 35.51):

Hier geht es um den Krieg in Syrien und speziell die Zusammenarbeit (direkt und indirekt) amerikanischer und britischer Geheimdienste mit internationalen Dschihadisten (al-Qaida; IS). Es ist das Herzstück des Features.

Teil 3 (Min. 35.52 bis 48.23):

Hier geht es um die Flüchtlingsproblematik, verursacht durch die amerikanischen Kriege, und wie das die Bundesrepublik verändert hat. Es wird die Frage gestellt, ob der Anschlag am Breitscheidplatz (19. Dezember 2016) in diesem Kontext zu sehen ist und ob der Anschlag möglicherweise bewusst laufen gelassen wurde.

Teil 4 (Min. 48.24 bis zum Ende):

Im letzten Teil geht es darum, ob die in dem Feature angestellten Überlegungen und Spekulationen typischem Verschwörungsdenken entsprechen.

Michael Flynn war von 2012 bis 2014 Chef des Pentagon-Geheimdienstes DIA.

Teil 2 ist der eigentlich brisante Teil des Features, ich erbringe Beweise, dass die USA in Syrien und dem Irak bewusst Dschihadisten haben gewähren lassen und sie sogar ausbildeten (al-Qaida, IS).

Diese Beweise erfolgen in Form von O-Tönen hochrangiger amerikanischer Politiker, Diplomaten und Militärs.

Außerdem zitiere ich einen Pentagon-Strategen, der erklärt, warum es für die USA strategisch klug war (ist..), Sunniten und Schiiten gegeneinander aufzuhetzen.

Ist doch nichts Neues!

Interessanterweise höre ich von allen Seiten, dass das nichts Neues sei, diese schmutzige Politik sei doch bekannt. Sogar Journalisten aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk behaupten das.

Gleichzeitig bestreiten sie, dass ich echte Beweise liefere (trotz der genannten O-Töne und zahleicher Zitate hochrangiger Politiker aus etablierten Medien sowie durchgestochenen Dokumenten).

Hier ein Zitat aus der E-Mail eines Rundfunk-Moderators einer wichtigen politischen Sendung:

…einmal finde ich Deine These gar nicht so revolutionär – siehe Taliban und Afghanistan und die Rolle der Geheimdienste dabei. Von der schmutzigen Geschichte der CIA ganz zu schweigen. Deine These/Spekulation ist also in jedem Fall nachvollziehbar. Letztlich bleibst Du den Beweis natürlich schuldig – das ist die journalistische Schwäche.

Da frage ich mich: Was sollte das jahrelange Gequatsche von einer „Verschwörungstheorie“, sobald jemand die Zusammenarbeit zwischen dem IS und der CIA/Special Operations Forces (SOF) zur Sprache brachte?

Es bleibt alles Theorie, wenn man nicht nach Beweisen sucht.

Ich kenne zum Beispiel kein einziges deutsches Medium, das John McCain zitiert und ernst genommen hätte, der im September 2014 unverblümt sagte:

Hillary Clinton has described a meeting in the White House two years ago where everyone in the national security team recommended arming ISIS.

Hillary Clinton hat von einem Treffen im Weißen Haus vor zwei Jahren erzählt, bei dem jeder aus dem Nationalen Sicherheitsrat dafür war, den IS zu bewaffnen.

Zum besseren Verständnis empfehle ich, sich speziell die Minuten 21.20 bis 32.35 meines Features anzuhören (zur Not zwei mal..) und mit diesem Interview von Kristin Hellberg abzugleichen.

Kristin Hellberg im Interview mit Till Brandt, 1. Juli 2019.

Kristin Hellberg hat über die Jahre hinweg in dutzenden Interviews sowie eigenen Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk das Syrien-Narrativ entscheidend geprägt.

Wie der IS entstanden sei, erklärt sie in den Minuten 16.44 bis 18.16.

Sie vertritt dabei komischerweise nicht die „Verschwörungstheorie“, die USA hätten den IS groß gemacht, wo es doch längst alle wissen…


Der Islamismus – Ein „verteufelter“ Freund des Westens (2)

„Das ist ein ganz großartiges Feature, sag ich als Kollege…“

Hier die Reaktion eines Hörfunkjournalisten, der für den WDR arbeitet.

Metzger an Fleischmann: Danke dafür!

Wir kennen uns nicht, er hörte sich das Stück aus neutraler Perspektive an und schickte mir dann ein Freundschaftsanfrage bei Facebook:

Das ist ein ganz großartiges Feature, sag ich als Kollege, der selber viele Features fürs Radio gemacht hat: formal wie inhaltlich sehr überzeugend und vor allem fern ab vom Gewöhnlichen.

Outstanding – würde man an der American Highshool sagen.

Shame on alte Tante NDR, das die das – aus welchem Grund auch immer, sei es aus Druck, sei es aus Schiß, sei es aus einer Mischung von beidem – nicht gesendet haben, anstatt es stolz für den nächsten Journalistenpreis einzureichen.

Sehr nett. Vielen Dank!


Der Islamismus – Ein „verteufelter“ Freund des Westens (1)

…und ein Problem für die Pressefreiheit?

Für diejenigen, die neu auf diesem Blog sind: Ich habe im vergangenen Jahr ein Feature über Islamismus für NDR Info entworfen, recherchiert und geschrieben.

Es sollte am 13. Dezember 2020 gesendet werden.

Am 10. Dezember 2020 wurde das Audio online gestellt, am 12. Dezember wieder herunter genommen und die Sendung für den nächsten Tag gestrichen.

Mir wurde an jenem Abend – 17 Stunden vor Ausstrahlung der Ursendung – telefonisch mitgeteilt, der produzierte Beitrag entspreche nicht dem Exposé. Er sei sehr persönlich, es hätte doch vornehmlich um neue Erkenntnisse zum Fall Anis Amri gehen sollen. Ich sollte mich auf Veränderungern vorbereiten.

Dazu hatte ich aber keine Lust. Außerdem ist diese Behauptung falsch.

Das Exposé, das vom November 2019 stammt, kann man hier nachlesen und mit dem Manuskript abgleichen, das vom Justitiariat (also der Rechtsabteilung) ein Jahr später zur Produktion freigegeben wurde. Urteilt selbst.

Die Entstehung des Manuskripts ist eng von der Feature-Redaktion begleitet worden, ich habe sämtliche Änderungswünsche akzeptiert, obwohl sie zu einer Verwässerung des Inhaltes führten.

Es gibt nämlich eine erste Version des Manuskriptes vom September 2020, die deutlich schärfer ist, vor allem der Teil über Anis Amri.

Joachim Dicks, ein erfahrener Redakteur, der allein drei der renommierten ARD-Radiofeatures produziert hat, bat mich ausdrücklich um diese „Verwässerung“. Er sagte, man müsse bei solchen Themen „homöopathisch“ vorgehen und das Publikum nicht gleich schocken.

„Es ist wirklich ein sehr ungewöhnliches Stück Radio geworden!“

Das leuchtete mir ein. Auf seine Bitte hin machte ich weitere Interviews und arbeitete das Stück komplett um. Es steckt so viel Arbeit darin wie in keinem anderen journalistischen Werk, das ich je in den Computer gezaubert habe.

Auch der Regisseur Nikolai von Koslowski, ein preisgekrönter Mann, der einen Namen in der Szene hat, machte Veränderungsvorschläge und trug maßgeblich zum Gelingen bei. Nach der Produktion fragte er mich nach meiner Meinung.

Hier meine Antwort:

Bin begeistert, gerade auch das Spielen mit der Musik. Kürzungen sind kein Problem für mich, der Stoff ist hart genug, das Bologna-Zitat hätte für endgültige Depression bei manchen Leuten sorgen können.

Daraufhin schrieb Nikolai von Koslowski:

Ach, das freut mich!
Es ist wirklich ein sehr ungewöhnliches Stück Radio geworden!

Danke Dir, dass ich da mitmachen konnte.

Die Sender fürchten sich vor Falschinformationen…

Ich fand es absurd, dass der NDR plötzlich auf die Idee kam, die Qualität des Features in Frage zu stellen und es überarbeiten zu wollen – 17 Stunden vor der seit Wochen angekündigten Ausstrahlung!

Später erfuhr ich von Kontakten aus dem NDR den angeblichen Auslöser für dieses Theater: Ein Mann names „Roland“ hatte am 9. Dezember 2020 einen Kommentar unter das angekündigte Feature geschrieben, dessen Inhalt er noch gar nicht kennen konnte.

Er warf mir vor, ich würde „Halbwahrheiten“ und „Verschwörungsmythen“ verbreiten und bezog sich auf meinen Blog. Er hoffte, der NDR würde so etwas nicht senden.

Wegen dieses anonymen Schreiberlings sei Verantwortlichen in höherer Ebene die Angst in die Glieder gefahren, so meine NDR-Kontakte weiter. Derzeit fürchteten sich alle davor, etwas Falsches zu machen, kein Medium wolle sich dem Vorwurf aussetzen, „Fakenews“ zu verbreiten.

Sollte das wirklich stimmen, ist das ein Armutszeugnis für diesen einst stolzen Sender. Er vertraut seinen eigenen, preisgekrönten Mitarbeitern nicht mehr!

Für mich war jedenfalls klar: Das Feature sollte abgesägt werden, das Angebot zur Überarbeitung schien mir vorgeschoben.

Mag sein, dass ich mich getäuscht habe, jedenfalls begann ich am Sonntag, den 13. Dezember 2020, scharf gegen den NDR zu schießen – auf allen Kanälen, die mir zur Verfügung standen. Ich stellte die Vermutung in den Raum, der BND hätte interveniert, was aber nicht wirklich ernst gemeint war.

Nicht alles ist seriös, was ich in den vergangenen Jahren in sozialen Medien fabriziert habe, das gebe ich unumwunden zu…

(Update 21. März 2021: Das meiste, was ich auf diesem Blog zu dem Fall geschrieben habe, habe ich mittlerweile vom Netz genommen und mich ausdrücklich bei allen Beteiligten entschuldigt.)

Ich stehe dazu, es war meiner Enttäuschung und meiner Empörung geschuldet.

Das Feature war sehr wichtig für mich, eine Gelegenheit wie diese, sensible Themen halbwegs offen zu diskutieren, bietet sich selten in deutschen Qualitätsmedien. Alle haben Angst, etwas falsch zu machen und von Leuten wie „Roland“ ermahnt zu werden…

Der NDR erklärte sich dann vor Weihnachten bereit, mir kurzzeitig die Rechte an dem produzierten Feature zu geben. Das heißt: Ich kann es bis zum 18. Januar hier online stellen, als Audiostream und ohne die Möglichkeit, es herunterzuladen.

Das ist der Kompromiss, den wir gefunden haben. Am 19. Januar werde ich den Audiostream löschen.

Ich bedanke mich bei allen, die mich moralisch unterstützt haben.